
Institute of Aerospace Technology (IAT)
VIBES (Visionary Ingenuity Boosting European Spacecraft) ist ein Forschungs- und Bildungsprogramm des Institute of Aerospace Technology (IAT). Ziel von VIBES ist es, die Nutzung von Alltagselektronik für Weltraumanwendungen zu erforschen. Dadurch können Satellitenmission leistungsstärker, intelligenter und nachhaltiger durchgeführt werden. Um die Technologien zu testen, bietet das IAT im Rahmen von VIBES Studierenden die Möglichkeit, eigene Satelliten als Teil ihres Studiums zu entwickeln. Diese etwa Schuhkarton-großen Satelliten sind zwar klein, aber dennoch außerordentlich leistungsstark: Mit VIBES Pioneer, Bremens erstem studentischen Satelliten, lassen sich beispielsweise Fotos aus dem All verbessern und mit der SENSORIS Satellitenkonstellation neuartige Erkenntnisse über das Schwerefeld der Erde gewinnen.
Das VIBES Programm ist in der Ausbildung zukünftiger Ingenieur:innen und Forscher:innen an der HSB verankert und fachübergreifend ausgerichtet. Studierende aus unterschiedlichsten Bachelorr- und Masterstudiengängen wirken an den VIBES-Missionen mit und erlernen auf diese Weise praktische Fähigkeiten und die Arbeit in einem internationalen und interdisziplinären Team. Darüber hinaus ist VIBES in die Studiengängen mit Luft- und Raumfahrtbezug eingebettet, so dass die Studierenden als Teil ihrer regulären Studienprogramme reale Weltraummissionen mitgestalten können. Auch Studien- und Abschlussarbeiten können im Rahmen von VIBES erarbeitet werden. Durch die enge Zusammenarbeit mit industriellen Partnern und anderen Forschungseinrichtungen erhalten die Studierenden eine in hohem Maße praktische Ausbildung und einen direkten Weg zu einer Karriere in der Luft- und Raumfahrt.
VIBES Pioneer ist Bremens erster von Studierenden entwickelte Satellit. Mit Abmessungen von circa 10x10x30 cm ist der sogenannte “3U CubeSat” nur etwa so groß wie ein schmaler Schuhkarton. Als Nutzlast fungiert ein innovatives Messsystem, welches Sensoren aus der Automobilbranche nutzt, um sehr kleine, mechanische Störungen an Bord des Satelliten zu erfassen. Mit den gewonnenen Daten lassen sich die Bilder einer Kamera verbessern und die Vibrationen langfristig durch datengestützte Anpassungen der Steuerungsalgorithmen reduzieren. Das Messsystem mit dem Namen “Microvibration Measurement System” (MVMS) wurde im Rahmen des VIBES-Programms am IAT entwickelt.
Der Start von VIBES Pioneer soll voraussichtlich 2026 erfolgen. Das IAT hatte sich mit der VIBES Pioneer Mission auf eine Ausschreibung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) beworben und wurde im November 2023 als eine von acht europäischen Projekten für einen kostenlosen Start ins All ausgewählt. Dieser Start wird mit dem neuen kleinen Trägersystem RFA ONE der Firma Rocket Factory Augsburg vom SaxaVord SpacePort auf den Shetland-Inseln in Schottland erfolgen. Von dort aus wird VIBES Pioneer in eine erdnahe, sonnensynchrone Umlaufbahn mit einer Höhe von 500 km transportiert werden. Die Missionsdauer ist für 12 Wochen ausgelegt, bei günstigen Bedingungen ist auch ein darüber hinausgehender Betrieb möglich. Die Steuerung des Satelliten erfolgt vom neu eingerichteten VIBES Ground Control Center am Standort Flughafen.
SENSORIS – abgeleitet aus dem Lateinischen Mensoris („Die Vermesser“) – ist eine Satellitenkonstellation aus 3U CubeSats, welche vom Institute of Aerospace Technology der Hochschule Bremen (IAT) und dem Zentrum für Angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation der Universität Bremen (ZARM) gemeinsam mit dem DLR - Institut für Satellitengeodäsie und Inertialsensorik (DLR-SI) entwickelt wird. Ziel der Mission ist eine tägliche Vermessung des Erdschwerefeldes im NewSpace Ansatz zur schnelleren, günstigeren und flexibleren Datengewinnung für Forschung, Sicherheit und Ressourcenmanagement. Die SENSORIS-Konstellation umfasst in der ersten Entwicklungsstufe zwölf Satelliten, welche mit GNSS-Empfängern ausgestattet sind. Die gewonnenen Daten sollen bestehende Geodäsiemissionen wie GRACE-FO oder GRACE-C komplementieren und dadurch das Problem der lückenhaften Hintergrundmodellierung adressieren.
Bremen bildet das Herzstück der europäischen Raumfahrt: Nirgendwo sonst ist die Branche so kompakt und vernetzt wie hier. Über 12.000 Mitarbeitende in 140 Institutionen arbeiten in der Stadt Bremen an unterschiedlichsten Raumfahrtvorhaben. Dabei kann fast die gesamte Bremer Raumfahrtindustrie mit einer Straßenbahnfahrt der Linie 6 innerhalb kürzester Zeit erreicht werden, was die Stadt wie einen einziegen großen Raumfahrt-Campus erscheinen lässt: Bremen, die Space Campus City!
Das Institute of Aerospace Technology ist mit seiner zentralen Lage am Bremer Flughafen ein wichtiger Bestandteil dieses einmaligen Ökosystems. Die kurzen Wege sind dabei ein entscheidender Vorteil für Studierende, Forschende und die Industrie: Man kennt sich und gemeinsam können durch Kooperationen Talente und Technologien für die Raumfahrt von morgen entwickelt werden.
Das VIBES-Team besteht aus mehr als 40 engagierten Studierenden aus unterschiedlichsten Studiengängen der HSB, die sich im Rahmen ihres regulären Studienprogrammes, für ihre Abschlussarbeit oder aus Begeisterung an der Entwicklung der Missionen beteiligen. Unterstützt werden sie von erfahrenen Mitarbeitenden des IAT unter der Leitung von Prof. Dr. Antonio Garcia.
Für die Studierenden ist die Arbeit bei VIBES weit mehr als nur ein Lernprojekt: Sie bietet einzigartige praktische Erfahrungen, viel Freude am gemeinsamen Entwickeln und die einmalige Möglichkeit, selbsterdachte Ideen zu verwirklichen und ins All zu starten. Dazu kommen spannende Einblicke in die Industrie- und Forschungslandschaft, etwa durch Exkursionen und Testkampagnen bei Partnerunternehmen und anderen wissenschaftlichen Instituten.












