
Studierende im vierten Semester des Internationalen Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen (ISWI) und des Internationalen Studiengangs Global Management (ISGM) der Hochschule Bremen (HSB) haben kürzlich an einer praxisorientierten Trainingsübung teilgenommen, um sich auf ihre bevorstehenden Auslandsemester vorzubereiten. Anstatt sich ausschließlich auf Lehrbuchtheorien zu konzentrieren, analysierten und spielten diese angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure typische kulturelle Missverständnisse in einer Reihe von originellen Einaktern vor. Die Veranstaltung fand am 20.05.2026 am Campus Werderstraße statt und war Teil der gemeinsamen Global-Interactions-Initiative mit dem Titel „What's Going on Here: Intercultural Situations through One-Act Plays“.
Das Projekt profitierte von der Zusammenarbeit verschiedener HSB-Studiengänge. Während die ISWI-Ingenieurstudierenden die kulturellen Reibungspunkte darstellten, übernahmen Studierende aus Katrin Nissels ISGM-Modul für interkulturelle Kommunikation die Rolle der teilnehmenden Beobachter und Prüfer.
Die ISGM-Prüfer bewerteten jede Darbietung anhand strukturierter Kriterien, darunter die Praxisrelevanz, das Beherrschen theoretischer Kommunikationsmodelle, die kreative Umsetzung und die Interaktion mit dem Publikum. Dieses Format bot den Akteuren direktes Peer-Feedback darüber, wie effektiv sie ihre Strategien vermittelten.
Die Planung und Durchführung der Veranstaltung gelang mit der Unterstützung von Svenja Tams, die den Studierenden half, Projektmanagement-Kompetenzen mit interkulturellen Kommunikationstechniken zu verknüpfen. Um den pädagogischen Wert der Übung zu stärken, gaben Svenja Tams, Katrin Nissel und Studiengangskoordinator Mayank Golpelwar direkt im Anschluss an jeden Akt sowie nach den Publikumsinterventionen wissenschaftliches und praxisbasiertes Feedback. Diese strukturierte Nachbesprechung half den Studierenden, die theatralischen Szenarien direkt mit realen internationalen Herausforderungen zu verknüpfen.
Die neun ISWI-Studententeams analysierten spezifische interkulturelle Konflikte und präsentierten konkrete Instrumente zu deren Lösung, wobei sie Vorschläge des Publikums einbezogen, um verschiedene Ergebnisse zu testen.
Nino Marseille, Lasse Habeck, Anina Heckmann und Erik Losigkeit konzentrierten sich auf Grenzen im Seminarraum, indem sie ein Missverständnis im Prüfungssaal untersuchten, bei dem eine einfache Bitte nach einem Stift zu Spannungen führt. Sie führten eine Checkliste zur Ermittlung kultureller Regeln ein, die Einzelpersonen dabei helfen soll, ungeschriebene Verhaltensregeln in einer neuen Umgebung systematisch zu erfassen und zu identifizieren.
Christopher Schepers, Ghassem Najmzadeh Eidani, Zinar Cengiz und Merveille Chanelle Toupet Nganso befassten sich mit der Teamzusammenarbeit und zeigten, wie abruptes Peer-Feedback zu einem Projektentwurf die Gruppendynamik stören kann, wenn es als persönlicher Angriff aufgefasst wird. Sie stellten die Feedback-Sandwich-Technik als praktische Methode vor, um konstruktive Kritik über verschiedene Kommunikationsstile hinweg zu vermitteln.
Tim Metze, Maximilian Karl Lampen, Maree Jana Teelke Look und Dalaa Abou Fakher befassten sich mit dem gemeinsamen Wohnen von Studierenden und veranschaulichten, wie kleinere Pflichten im Haushalt aufgrund von defensiven Formulierungen in einen Streit eskalieren können. Sie demonstrierten die Ich-Botschaft-Technik und zeigten, wie das Umformulieren einer Beschwerde ein Problem ansprechen kann, ohne das Gegenüber in die Verteidigung zu drängen.
Veronika Gaier, Mohamad Kasem, Fatma Nur Budancir und Theodor Brendecke konzentrierten sich auf institutionelle Hürden, indem sie die Verwirrung dramatisierten, mit der internationale Studierende im Umgang mit einer starren Bürokratie konfrontiert sind. Das Team entwickelte ein Bürokratie-Skript mit strukturierten, strategischen Fragen, um Studierenden dabei zu helfen, klare Antworten von offiziellen Stellen zu erhalten.
Bassam Khalaf, Mohamed Abbas, Niklas Fröhlich und Lennart Hinrichs beleuchteten Kommunikationslücken zwischen Lehrenden und Studierenden. Sie veranschaulichten, wie die höfliche akademische Empfehlung eines Professors von internationalen Studierenden zu wörtlich genommen werden kann, was zu einer Vorbereitungslücke führt, und lösten dies durch die Erstellung eines Professor-Studierenden-Wörterbuchs, um indirekte Ratschläge in klare Anforderungen zu übersetzen.
Luca René Hoffschmidt, Jakob Karl Maue, Hatice Melis Türk und Julian Michael Fellner befassten sich mit der Gruppenorganisation, indem sie ein Projekttreffen analysierten, das darunter leidet, dass die Teammitglieder unterschiedliche Definitionen von Pünktlichkeit haben. Sie entwarfen eine Vorlage für Gruppentreffen, um studentischen Teams einen einfachen, einseitigen Vertrag an die Hand zu geben, mit dem Erwartungen und Zeitpläne frühzeitig abgestimmt werden können.
Marc Vortallen, Tiziana Lisboa Randon, Alexander Reil und Rosim Ali befassten sich mit der Teilnahme an Seminaren und untersuchten, warum manche internationale Studierende aus Respekt vor Hierarchien in schnellen akademischen Debatten schweigen. Sie formulierten den 5-Sekunden-Einstieg, eine Kommunikationsstrategie, die strukturierte Optionen bietet, um reibungslos in kompetitive akademische Diskussionen einzusteigen.
Bennet Steinmüller, Jonas Henning Timmermann, Talia Topal und Khaled Humaydi thematisierten den gemeinsamen Wohnraum und konzentrierten sich dabei auf die Reibungen, die entstehen, wenn individualistische und kollektivistische Erwartungen bei der gemeinsamen Küchennutzung aufeinanderprallen. Sie erstellten einen aus fünf Fragen bestehenden Küchenvertrag, mit dem neue Mitbewohner Grenzen klären und übliche häusliche Missverständnisse vermeiden können.
Dilara Budan und Ali Öztürk analysierten die soziologischen Wurzeln von akademischem Druck und leistungsbedingtem Stress. Sie führten einen „Erlaubnisschein zur Erholung“ ein, der einen mentalen Rahmen bietet, der internationalen Studierenden helfen soll, Auszeiten zu rechtfertigen und strenge akademische Erwartungen mit dem persönlichen Wohlbefinden in Einklang zu bringen.
Durch das Nachspielen dieser Szenarien sowie durch die aktive Teilnahme an und Reaktion auf Publikumsinteraktionen gewannen die Studierenden im vierten Semester praktische Erfahrungen, die weit über Vorlesungen im Seminarraum hinausgingen. Die Übung half ihnen, die Flexibilität und das Vertrauen aufzubauen, die für den Umgang mit zwischenmenschlichen Reibungen in ungewohnten Umgebungen erforderlich sind. Während sich diese ISWI- und ISGM-Studierenden auf ihre bevorstehenden Auslandssemester vorbereiten, verabschieden sie sich mit einem klaren Instrumentarium an Kommunikationsstrategien, das ihnen helfen wird, sich an ihren jeweiligen Gasthochschulen weltweit anzupassen.
Foto der Teilnehmenden der Veranstaltung: Zinar Cengiz

Prof. Dr. Mayank Kumar Golpelwar
Intercultural Management und Intercultural Communication
+49 421 5905 4152
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Prof. Dr. Svenja Tams
Professor of Organisation and Project Management
+49 421 5905 4236
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Photo Credits: Zinar Cengiz
© Zinar Cengiz
