
Die Hochschule Bremen (HSB) ist international ausgerichtet. In den meisten der mehr als 70 Studiengänge gehört ein Auslandssemester dazu. Die Hochschulallianz STARS EU fördert die Internationalisierung auf weiteren Ebenen: Studierende nehmen an internationalen Lernformaten teil. Auf hochschulpolitischer Ebene können sie die Interessen Ihrer Kommiliton:innen im Student Board vertreten. Auch Professor:innen profitieren in Lehre und Forschung von STARS EU. Beispiele dafür sind Dr. Sabine Lins, Professorin für Pflegewissenschaft an der HSB und Dr. Babette Müller-Rockstroh, Professsorin für Hebammenwissenschaft an der HSB. Beide sind bei STARS EU im TIG „Healthy Ageing“ involviert. Die Abkürzung steht für „Thematic Interest Group“ (übersetzt: Thematische Interessensgruppe). Dabei handelt es sich um strukturierte, fachspezifische Arbeitsgruppen innerhalb der europäischen Hochschulallianz, die Forschung, Lehre und regionale Partner:innen zu bestimmten Schwerpunktthemen vernetzen.
Sabine Lins: In Bezug auf die Lehre ist es für uns ein wichtiger Vernetzungsort. Durch die regelmäßigen online-Treffen und die jährlichen physischen Treffen, können wir Ideen austauschen und mögliche Kooperationspartner:innen finden. Zudem bieten uns die Online-Treffen auch häufig fachlichen Input zu Tools und Methoden. Beispielsweise stellen die Mitglieder der verschiedenen STARS-EU-Partnerhochschulen ihre Forschungsprojekte oder Lehreinheiten vor. Sehr eindrücklich war hier ein Beitrag von einem Kollegen aus Groningen, der seine Forschungsergebnisse über den Vorteil und das Anbahnen von interprofessioneller Zusammenarbeit vorgetragen hat.
Babette Müller-Rockstroh: Auch werden mögliche BIPs für Studierende angekündigt: also Blended Intensive Programmes. Auf diese Weise haben sich schon häufiger die Möglichkeiten der Teilnahme an BIPs für unsere Studierenden ergeben. Man erhält einen Einblick, wie Lehre in anderen Ländern geplant und durchgeführt wird. Es ist sehr spannend zu sehen, wie flexibel andere Hochschulen hier sind - sehr inspirierend! Über das TIG „Healthy Ageing“ konnten wir auch Gastdozent:innen für unsere Lehre gewinnen. Der Lehrenden-Austausch, wenn man ihn so nennen mag, ist somit auch durch STARS EU gefördert worden.
Sabine Lins: Die Vernetzung auf HSB-Ebene ist für uns beide wichtig, weil wir darüber Informationen erhalten, welche Fördermöglichkeiten es auf internationaler Ebene für Forschungsprojekte gibt. Wir erhalten darüber aber auch Informationen, wie unterschiedlich die anderen TIGs organisiert sind und welche Schwerpunkte sie setzen und woran gearbeitet wird. Über dieses Netzwerk findet auch der Austausch mit den anderen Work Packages der STARS EU Allianz statt. Derzeit legen wir unseren Schwerpunkt auf den Ausbau international vernetzter, interprofessionellen Lehre, da wir beide das Amt für Internationales in unseren Studiengängen innehaben.
Babette Müller-Rockstroh: Wir kooperieren derzeit hauptsächlich mit der Hanze University Groningen in den Niederlanden. Mit der Silesian University in Opava (Tschechien) bestehen ebenfalls bereits enge persönliche und professionelle Kontakte. Erste Kontakte sind zudem geknüpft mit der University West in Schweden. Über das TIG bestehen darüber hinaus Kontakte mit der Universidad de La Laguna auf Teneriffa (Spanien), dem Polytechnik Institute in Bragança (Portugal) und der Université Marie et Louis Pasteur (UMLP) in Besançon (Frankreich).
Sabine Lins: Mit der Hanze kooperieren wir im Rahmen eines jährlich stattfindenden BIPs, an dem zwischen fünf und zehn Studierende der HSB teilnehmen. Damit können sie für ihr Auslandssemester und für potenzielle Alternativleistungen Credit Points, also ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) erwerben. Wir beiden Professorinnen nehmen mit Fachvorträgen, in der Konzeption von fallbezogenen Aufgabenstellungen und als Mitglieder der Jury bei der abschließenden Projektpräsentation teil.
Babette Müller-Rockstroh: Zudem fand zum dritten Mal eine Kooperation mit der Hanze im „Virtual Exchange Project" statt. Hier befragen sich Studierende der ersten Semester gegenseitig online. Sie stellen dabei die Pflege und Gesundheitsversorgung des jeweiligen eigenen Landes vor, tauschen sich über die unterschiedlichen Gesundheitssystem und Versorgungspraktiken aus und lernen so die verschiedenen `Kulturen` sowie ‚Best Practices‘ kennen.
Auch integrieren wir Gastdozent:innen von der Hanze regelmäßig in unsere Lehre. Die Studierenden profitieren sehr von diesem internationalen Input und können so die Vernetzung von Wissenschaft, Lehre und globalen Versorgungsaufgaben für Gesundheitsfachpersonen im Rahmen der STARS EU Allianz erleben.
Sabine Lins: Und wichtig zu erwähnen: Zwei Pflegestudierende sind aktuell im Student Board von STARS EU beteiligt. Lia Sophie Schönrock und Jule Sobanja sind auch für das TIG „Healthy Ageing“ ein wichtiger Bestanteil geworden. Ich hatte damals vorgeschlagen, sie in das TIG zu integrieren. Seitdem sind sie regelmäßig dabei und berichten oder leiten Fragen und Anfragen weiter. Ihre Perspektive auf Aspekte der Lehre ist sehr hilfreich für die Lehrenden und die Studierenden können die Infos aus erster Hand aus den TIGs zum Student Board vermitteln. So ist der Austausch unter den einzelnen Gruppen leichter.
Sabine Lins: Ja, das neue, mit dem Internationalen Studiengang Hebammen geplante, interprofessionelles Wahlpflichtmodul „Disaster Preparedness" im Internationalen Studiengang Pflege ist länderübergreifend angelegt. Es bereitet Pflege- und andere Gesundheitsfachkräfte, wie eben auch Hebammen, auf die Bewältigung von Katastrophen, Krisen und außergewöhnlichen Notlagen vor. Es finden gerade Überlegungen statt, wie im Rahmen dieses Moduls, welches in 2027 zum ersten Mal stattfindet, eine Kooperation mit der Hanze aussehen könnte. Vertreter:innen des Pflegestudiengangs der Hanze kommen für Gespräche Anfang Juli nach Bremen.
Babette Müller-Rockstroh: In Diskussionen mit Partnerhochschulen im TIG Healthy Ageing ist deutlich geworden, dass andere Länder häufig bereits Erfahrungen im Bereich der Katastrophenversorgung haben, und ein gemeinsames Verständnis beim Umgang mit Katastrophen, die bekannterweise nicht an Landesgrenzen enden, hilft. Das bereits jetzt schon interprofessionell, interdisziplinär und international angelegte Modul hat aus unserer Sicht großes Potential zukünftig zu einem Blended Intensive Program oder COIL weiterentwickelt zu werden oder dies zu integrieren. Ein COIL ist ein innovatives Lehr- und Lernformat an der Hochschule Bremen, bei dem Studierende der HSB virtuell in internationalen Teams mit Studierenden von Partnerhochschulen im Ausland an gemeinsamen Projekten oder Modulen arbeiten.