
Im Rahmen einer dreitägigen Exkursion erhielten Studierende des internationalen Studiengangs Umwelttechnik praxisnahe Einblicke in zentrale Themenfelder der Umweltverfahrenstechnik, der Energieversorgung sowie industrieller Produktions- und Aufbereitungsprozesse. Besucht wurden unter anderem der Hasbruch, das Fraunhofer IWES, die Papier- und Kartonfabrik Varel, der ENERGY HUB PORT Wilhelmshaven, KRONOS Titan sowie die Kläranlage Sandstedt.
Zum Auftakt ihrer dreitägigen Exkursion im Rahmen des Module Ökosysteme und Grundlagen der Umweltverfahrenstechnik besuchten die Studierenden des 2. Semesters im internationalen Studiengang Umwelttechnik den Hasbruch, ein rund 630 Hektar großes historisches Laubwaldgebiet (enthält heute 1/3 Eichen und 1/5 Buchen) zwischen Delmenhorst und Oldenburg. Vor Ort konnten sie u.a. die ca. 1200 Jahre alte Friederikeneiche mit einem Durchmesser von 3,2 m – eine der ältesten und mächtigsten Eichen Deutschlands - bestaunen und erhielten Einblicke in die Entwicklung naturnaher Waldökosysteme sowie in die Bedeutung des Gebietes für den Natur- und Artenschutz.
Anschließend ging es zum Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) nach Bremerhaven, wo der Gruppenleiter von Hydrogen Lab Bremerhaven Herr Kevin Schalk die Forschungsaktivitäten zur Nutzung von Windenergie zur direkten Erzeugung von grünem Wasserstoff vorstellte, Testflächen mit Wasserstoffsystemen und PEM-Elektrolyseure zeigte.
Ein erstes Praxisbeispiel stellt die öffentliche Wasserstofftankstelle in Bremerhaven dar. Herr André Kiwitz, Mitbegründer von Green Fuels, stellte den Studierenden die verfahrenstechnische Anlage vor, an der Busse, LKWs und PKWs an zwei unterschiedlichen Zapfsäulen Wasserstoff betranken können. Die Betankung erfolgt mit 350 bar bei Nutzfahrzeugen und 700 bar bei PKWs. Insgesamt können hier innerhalb von 24 Stunden 1200 kg regional produzierten grünen Wasserstoff abgegeben werden.
Am zweiten Tag standen gleich mehrere Programmpunkte auf dem Plan. Am Vormittag besuchten die Studierenden eine der größten europäischen Standorte der Papierindustrie, die Papier- und Kartonfabrik Varel GmbH & Co. KG, mit einer jährlichen Produktionskapazität von 970000 Tonnen auf vier modernen Produktionslinien. Hier wird seit 1950 aus Altpapier umweltfreundliche Wellpappen-Papiere und Kartons verschiedener Stärken, Qualitäten und Farben hergestellt.
© Michelle Holzner (Papier- und Kartonfabrik Varel GmbH & Co. KG)
Am Nachmittag ging es zum ENERGY HUB PORT of Wilhelmshaven, der am JadeWeserPort beheimatet ist. Hier konnten sich die Studierenden einen Einblick in die Betriebsanlagen der Nord-West-Ölleitung (NWO) in Wilhelmshaven verschaffen. Im Mittelpunkt standen dabei die Tankerlöschbrücke sowie das angeschlossene Tanklager. Über die Tankerlöschbrücke wird das von Tankern angelieferte Mineralöl entladen, im Tanklager zwischengespeichert und anschließend über Fernleitungen bis in das Rhein-Ruhr-Gebiet transportiert. Die NWO gilt als Keimzelle des einzigen deutschen Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven und entwickelte sich zu einem zentralen Knotenpunkt für Umschlag, Lagerung und Weiterleitung von Mineralöl. Dadurch wurde Wilhelmshaven zum bedeutendsten Mineralölimporthafen Deutschlands.
In unmittelbarer Nähe der NWO liegt das 2015 in Betrieb genommene Steinkohlekraftwerk Wilhelmshaven, das mit einem Wirkungsgrad von rund 46% zu den modernsten und effizientesten Anlagen weltweit zählt. Dank seiner exponierten Lage am Hafen sowie seiner hochentwickelten technischen Ausstattung besitzt das Kraftwerk das Potenzial, auch über den Kohleausstieg hinaus eine bedeutende Rolle für die regionale Energieversorgung in Norddeutschland zu übernehmen. Aktuell verfügt die Anlage über eine elektrische Nettoleistung von 726 Megawatt und kann jährlich bis zu 5,5 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen - etwa einem Prozent der gesamten Stromproduktion in Deutschland. Im Rahmen des Besuches erhielten die Studierenden einen Einblick in den Weg der Verarbeitungsprozesse und konnten einen beeindruckenden Blick auf das Hafengelände und die Niedersachsenbrücke genießen.
Die auf 680 Gründungspfählen stehende Brücke ging 1972 in Betrieb und dient vornehmlich dem Umschlag von Import-Steinkohle für das benachbarte Kohlekraftwerk. Außerdem ist sie Teil einer leistungsfähigen Infrastruktur im Hinblick auf den anstehenden Strukturwandel in Richtung erneuerbarer Energieträger. Durch die guten Kontakte von Frau Schäfer-Biscan, (Koordinatorin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Wilhelmshaven mbH) wurde es uns ermöglicht, die Niedersachsenbrücke zu befahren und bei einem Entladungsvorgang dabei zu sein.
Am letzten Tag der Exkursion besuchte die Gruppe die Firma KRONOS Titan GmbH in Nordenham. Dort werden bereits seit 1969 Titandioxid-Pigmente hergestellt, welche in zahlreichen Anwendungsbereichen Verwendung finden, u.a. in Farben, Lacken, Kunststoffen, Papier, Baustoffen, Kosmetika und Arzneimittel. Nach einer theoretischen Einführung durch Herrn Thomas Simon und seinem Kollegen Edgar Steiner in die Titandioxidproduktion mittels Sulfatverfahren, hatten die Studierenden die Möglichkeit, einzelne Prozessschritte (vom schwarzen Erz zum weißen Pigment) direkt vor Ort genauer zu betrachten.
Zum Abschluss der Exkursion besuchten die Studierenden die Kläranlage Sandstedt, eine von 47 Kläranlagen des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV). Dort erklärte Frau Sabrina Hennekens, eine ehemalige Masterstudentin des Internationalen Studiengangs Umwelttechnik, gemeinsam mit ihren Kollegen, die einzelnen Schritte der Abwasserreinigung. Dabei wurden sowohl die mechanische Reinigungsverfahren in Rechenanlage und Sandfang als auch der biologisch-chemische Reinigungsprozess vorgestellt und anschaulich erklärt.