
Ein traditionsreiches Schiff, ein nachhaltiges Projekt und jede Menge Teamgeist – das ist die Franzius. Der Plattbodensegler war bis 2019 fester Bestandteil von Exkursionen im Studienbereich „Blue Sciences“ der Hochschule Bremen (HSB). Doch aktuell ist das Schiff nicht fahrtüchtig. Es muss umfassend repariert werden. Studierende, Hochschulangehörige und andere Segelbegeisterte arbeiten mit dem Verein „Bremer Weserkahn Franzius“ daran, um es bis nächstes Jahr wieder fahrtüchtig zu machen. Ein HSB-Student, der sich für die Franzius engagiert, ist Louis Lammers. Der 24-Jährige studiert Schiffbau- und Meerestechnik und bringt nicht nur seine Erfahrungen in das Projekt ein, sondern profitiert auch sehr davon. So konnte Louis Lammers dadurch erstmals auf einem Plattenboot mitsegeln und hat den Teamgeist einer Crew und den besonderen „Vibe“ eines Traditionsseglers kennengelernt.
Herr Lammers, waren Sie schon immer schiffsbegeistert?
Ich komme aus Münster und habe in meiner Kindheit und Jugend nie Kontakt zu Schiffen oder dem Segelsport gehabt. Aber ich bin immer sehr gerne auf Schiffen und Booten gewesen und fand sie super spannend! Ein sehr wichtiges Ereignis war für mich die Besichtigung der Meyer Werft, als ich mit meiner Familie den Emsradweg von Münster nach Borkum mit dem Fahrrad gefahren bin. Die Größe und Dimensionen der Kreuzfahrtschiffe hat mich unglaublich beeindruckt, sodass ich dort Jahre später ein Praktikum in der 11. Klasse gemacht habe und mich dann für ein duales Studium an der HSB beworben habe: Schiffbau und Meerestechnik im Praxisverbund.
Ich liebe es, immer weiter in die Thematiken einzutauchen und immer besser zu verstehen, wie Schiffe funktionieren und wie man Schiffe baut, die allen Anforderungen und Randbedingungen möglichst gerecht werden. Deswegen habe ich mich nach meinem dualen Studium entschieden, im englischsprachigen Master „Schiffbau und Meerestechnik“ der HSB mein Wissen zu vertiefen und parallel als Werkstudent bei Lürssen weiter Praxiserfahrung zu sammeln.
Wie wurden Sie auf das Franzius-Projekt aufmerksam?
Ende vergangenen Jahres kam die Information aus unserem Fachbereich von einem Prof, dass es die Franzius gibt und interessierte Menschen gesucht werden, die sich bei der Reparatur des Projekts, der Planung von Törns und anderen Aufgaben ehrenamtlich engagieren möchten. Ich fand die Idee spannend und war mir sicher, dass meine Kenntnisse von meiner Arbeit auf Werften und meinem Studium dem Projekt nicht schaden könnten.
Die Franzius ist ein schönes Traditionsschiff, das viel Potenzial bietet – zum Beispiel für Exkursionen, Umweltprojekte oder als alternativer Lernort für kleine Seminargruppen. Die Reparatur finde ich als Schiffbaustudent sehr interessant, da dort viel passiert und man schnell Dinge verändern kann. Bei großen Schiffen, die mich beruflich beschäftigen, kümmere ich mich eher um übergeordnete und theoretische Themen wie Hydrodynamik und Hydrostatik. Zudem finde ich es auch schön, Hand anzulegen und an dem Schiff zu werkeln, statt nur vor dem PC zu sitzen.
Im Rahmen des Projekts haben Sie im Frühjahr einen Segeltörn auf dem Plattenboot Verandering in der Nordsee mitmachen können. Er wurde vom Franzius-Verein in Kooperation mit dem Förderverein Niedersächsisches Wattenmeer unterstützt.
Daran war ich natürlich auch sehr interessiert, da ich das Segeln und das Leben an Bord eines kleinen Traditionsseglers mit 20 anderen jungen Menschen und einer Crew kennenlernen wollte und ich mich auch für die Natur und das Wattenmeer interessiere.
Zudem habe ich den Törn als Weiterbildung für mich gesehen: Ich finde, dass man als Schiffbauingenieur auf einer Werft ein bisschen Praxiserfahrung auf dem Wasser gesammelt haben sollte, um einige Dinge besser zu verstehen und ein Gefühl für sie zu bekommen. Viele Beobachtungen kann man nur machen, wenn man theoretischen Hintergrund hat und andersherum gewinnt man neue Erkenntnisse oder Eindrücke für die Theorie nur an Bord und im Wasser.
Wie hat es Ihnen gefallen, was hat Ihnen der Törn gebracht?
Hervorragend, ich bin total begeistert! Aus meiner Sicht war der Törn ein voller Erfolg - nicht nur für mich und den Rest der Besatzung, sondern auch für das Franzius-Projekt. Der abenteuerliche Ausflug war von der ersten bis zur letzten Minute unglaublich aufregend und spannend. Ich habe so viele neue Erfahrungen gesammelt, Dinge gelernt und sehr viel Spaß gehabt. Ich habe das Leben an Bord und den „Segel-Vibe“ kennengelernt. Zusätzlich sind viele junge Menschen aus dem Bereich Biologie mitgesegelt, die uns mit Wissen über das Wattenmeer und das Tierreich bereichert und begeistert haben.
Die Crew hat uns viele Freiräume gelassen und uns viel erklärt und beigebracht, was ich sehr cool fand. Ein persönliches Highlight war das Steuern der Verandering. Es hat mir viel Spaß gemacht und ein Gefühl für die Kursstabilität und das Manövrierverhalten des Schiffes gegeben, was teilweise mit Strömung, Wind, Wellen und Segeln eine Herausforderung war.
Neugierig geworden? Hier gibt es mehr Informationen zum Franzius-Projekt