
Wie sieht interkulturelle Kommunikation aus, wenn man den Universitätscampus hinter sich lässt? Studierende des Studiengangs International Studies in Business and Engineering (ISWI) an der Hochschule Bremen (HSB) haben dies hautnah miterlebt. Sie verließen den klassischen Hörsaal und begaben sich mitten hinein nach Bremen-Huchting, um Lehrbücher gegen das kraftvolle Werkzeug des persönlichen Geschichtenerzählens einzutauschen.
Als Teil ihres Moduls bei Dr. Mayank Kumar Golpelwar nahm die ISWI-Gruppe am 03. Juni 2026 an einem interaktiven Begegnungsformat mit dem Titel „Bitte setzen! – Ich will, dass du siehst, was ich sehe“ teil. Die Veranstaltung wurde gemeinsam mit dem Kulturladen Huchting und dem Bremer Rat für Teilhabe und Diversität im Rahmen der regionalen Landeswochen für Vielfalt und Teilhabe organisiert. Der Tag konzentrierte sich darauf, Vorurteile zu hinterfragen, tiefes, aktives Mitgefühl zu üben und das lokale Gemeinschaftsleben durch eine neue interkulturelle Brille zu betrachten.
Das erfahrungsorientierte Lernen begann bereits, bevor die Gruppe überhaupt am Ziel ankam. Am historischen Roland auf dem Marktplatz trafen sich die Studierenden und wurden bewusst mit Kommilitoninnen und Kommilitonen zusammengesteckt, die sie noch nicht gut kannten, um den direkten Austausch anzuregen.
Während der gemeinsamen Busfahrt zum Bürger- und Sozialzentrum Huchting (BUS) half ein regionales Quiz dabei, das Eis auf spielerische Weise zu brechen. Die Studierenden errieten lokale Fakten – von Trends bei Graffiti im Stadtteil bis hin zu bekannten Sportpersönlichkeiten aus Huchting. Als Preise wurden kleine Flaggen verteilt, auf denen das Wort „Menschlichkeit“ in verschiedenen Weltsprachen gedruckt war, was von Anfang an für eine partnerschaftliche Stimmung sorgte.
Im Stadtteilzentrum wurde das klassische Vorlesungsformat durch lokale Erzählungen ersetzt. Nach der Begrüßung durch Vera vom Kulturladen Huchting und ein Mitglied der Bremischen Bürgerschaft nahmen die Studierenden in informellen Stuhlkreisen Platz. Diese wurden kontinuierlich durchgewechselt, um einen vielseitigen Austausch von Perspektiven zu garantieren.
Das Herzstück der Veranstaltung bildeten echte Audio- und Videoclips von Huchtinger Einwohnerinnen und Einwohnern, die ehrliche, persönliche Geschichten über ihr Leben, ihre Identität und die Bedeutung von Gemeinschaft teilten. Nach jeder Geschichte beschäftigten sich die kleinen Gruppen mit offenen, reflektierenden Fragen:
Für die Studierenden erweckte der Abend abstrakte Konzepte aus dem Unterricht zum Leben. Interkulturelle Modelle wie das Kulturshoch-Modell, das die emotionalen Phasen beim Betreten ungewohnter Umgebungen beschreibt, passten plötzlich auf Stadtteile direkt in der eigenen Universitätsstadt. Die persönlichen Berichte zeigten, dass die Erfahrung, ein gesellschaftlicher Außenseiter zu sein, nicht auf die internationale Migration beschränkt ist, sondern überall passieren kann.
Die Gruppe nahm wertvolle gemeinsame Erkenntnisse mit:
Indem sie sich direkt in die Lage anderer versetzten, kehrten die zukünftigen Wirtschaftsingenieurinnen und Wirtschaftsingenieure der HSB mit praktischen Fähigkeiten zum Perspektivenwechsel zurück. Diese können sie sofort nutzen, um sich in fremden sozialen Umgebungen zurechtzufinden, interkulturelle Konflikte zu lösen und vielfältige Teams in ihren kommenden Auslandspraktika und globalen Karrieren erfolgreich zu leiten.
Foto der ISWI-Gruppe in Huchting: Zinar Cengiz
Foto/Photo: Zinar Cengiz
© Zinar Cengiz
