
Sprache gehört zu den beeindruckendsten Leistungen der frühen Kindheit und beginnt lange vor dem Lesen und Schreiben. Bereits in den ersten Lebensjahren formen alltägliche Gespräche, Lieder, vorgelesene Geschichten, unterschiedliche Sprachen die Entwicklung des Gehirns.
Jedoch ist etwa jedes 14. Kind von einer gesundheitsbedingten Sprachentwicklungsstörung (SES) betroffen – das sind ca. 2 Kinder pro Schulklasse.
Bei einer Sprachentwicklungsstörung (SES) ist die Verarbeitung von Sprache im Gehirn gestört. SES geht mit anhaltenden Schwierigkeiten beim Verstehen und/oder Verwenden von Sprache einher. Die SES kann unter anderem Wortschatz, Grammatik, Satzbildung und Erzählfähigkeiten beeinträchtigen.
Da die Ursache für die Sprachauffälligkeiten unsichtbar ist, wird die Neuroentwicklungsstörung SES bei vielen betroffenen Kindern erst spät erkannt – viele erhalten die für sie angemessene Unterstützung nicht oder nicht frühzeitig genug.
Dabei können Sprachentwicklungsstörungen weitreichende Folgen für den gesamten Lebensverlauf haben haben und das schulische Lernen, soziale Beziehungen, die mentale Gesundheit sowie Bildungs- und Berufschancen nachhaltig beeinflussen.
An der Hochschule Bremen erforschen wir, wie Sprachentwicklungsstörungen früher erkannt und Barrieren auf dem Weg zu Diagnostik und Therapie abgebaut werden können.
Unsere Forschung umfasst kultursensitive Diagnostik, Beratung und Therapie bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern, Früherkennung von Sprachentwicklungsrisiken, alltagsintegrierte und KI-basierte Tools statt Testdiagnostik. Ziel ist es, allen Kindern einen frühzeitigen und gerechten Zugang zu sprachtherapeutischer Versorgung zu ermöglichen.
Sprachfähigkeit ist die Grundlage für soziale Beziehungen und Lernen, weshalb alle Menschen ein Recht auf Sprache und bei Bedarf auf Unterstützung durch logopädische Therapie zur gesellschaftlichen Teilhabe haben.
Bei Kindern mit SES reicht Sprachförderung nicht aus, sie benötigen logopädische Therapie.
Eine einsprachige Erziehung kann keine SES kurieren. Der Rat, in einer mehrsprachigen Umgebung nur noch eine Sprache zu verwenden, ist falsch.