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  4. Studieren mit Behinderung oder chronischer Erkrankung
  5. Barrierearme Lehre

Barrierearme Lehre und Nachteilsausgleich

Ziel barrierearmer Lehre ist es, eine größtmögliche Chancengleichheit von Studien- und Prüfungsbedingungen zu schaffen. Eine barrierearme Gestaltung von Studium und Lehre kommt allen Beteiligten zugute. 

Zusätzlich sind im Kontext von studienrelevanten Beeinträchtigungen Nachteilsausgleiche ein wichtiges Instrument, um individuelle Benachteiligungen auszugleichen ohne die fachlichen Anforderungen abzusenken. 

    • Rund 16 Prozent aller Studierenden geben an, mit einer chronischen psychischen oder physischen Erkrankung, einer Behinderung oder einer Entwicklungs- bzw. Teilleistungsstörung zu leben, die ihr Studium deutlich beeinträchtigt. Übertragen auf die Hochschule Bremen betrifft dies etwa 1.400 Studierende. 
    • Bemerkenswert ist: Bei mehr als 95 Prozent der Personen sind diese Beeinträchtigungen nicht auf den ersten Blick sichtbar – vermutlich begegnen Ihnen diese Studierenden also auch in Ihren eigenen Lehrveranstaltungen. 
    • Weitere Hintergrundinformationen: 22. Sozialerhebung des Deutschen Studierendenwerks. 
  • Foliensatz Unterstützungsangebote für Studierende

    • Viele Studierende haben Sorge vor Vorurteilen oder wissen nicht, dass es für ihre Situation Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten gibt.
    • Mit den Informationsfolien zeigen Sie Offenheit und stellen sicher, dass alle Studierenden informiert sind. 
    • Tragen Sie Ihre Kontaktdaten ein, zeigen Sie in Ihren ersten Seminarstunden diese Folien und ermuntern Sie Studierende, sich die Angebote anzusehen, auch ohne dass es ein konkretes Problem gibt. 

Beratung

  • Für individuelle Beratung zur didaktischen Gestaltung Ihrer Lehre ist das Team von LehrePlus aus dem Zentrum für Lehren und Lernen ansprechbar: 

    LehrePlus - hochschuldidaktische Angebote für Lehrende.

  • Das E-Assessment-Team im Zentrum für Lehren und Lernen unterstützt Sie bei der Entwicklung von Online-Prüfungen, auch in Bezug aufBarrierefreiheit.

    Sie können einen Beratungstermin vereinbaren oder zu einer wöchentlichen offenen Sprechsstunde kommen: E-Assessment, Mail: eassessment@hs-bremen.de

  • Die Beratungsstellen für Studierende sind auch für Lehrende ansprechbar: 

    • Behinderung und chronischer Erkrankung im Studium, sowie Informationen zu Antragstellung und Hintergründe zum Nachteilsausgleich: Beratungsstelle Inklusives Studieren: Beratungsstelle Inklusives Studieren,
    • Schwerpunkt psychische Erkrankungen: psychologische Beratungsstelle des Studierendenwerks
  • Die Arbeitsstelle ADE berät Angehörige der HSB zu allen Formen von Diskriminierung, Konflikten und Gewalt, auch in Bezug auf Lehre. Die Beratung ist vertraulich und kostenlos: Website der ADE

Nachteilsausgleich in der Lehre

  • Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung können einen Nachteilsausgleiche beantragen, der in § 31 des Bremischen Hochschulgesetzes und in § 11 der Allgemeinen Teile der Bachelor- bzw. Masterprüfungsordnung geregelt ist.

    Nachteilsausgleiche passen die Rahmenbedingungen in Prüfungs- und Studienleistungen an, um Benachteiligungen Studierender mit Behinderung oder chronischer Erkrankung auszugleichen. Nachteilsausgleiche sind keine "Vergünstigungen" sondern ein wichtiges Instrument, um chancengleiche Teilhabe im Studium herzustellen und Diskriminierungen zu vermeiden. 

    Maßnahmen sind zum Beispiel längere Bearbeitungszeiten bei Hausarbeiten, Schreibzeitverlängerung bei Klausuren oder die Nutzung technischer Hilfsmittel.

  • Studierende müssen beim Prüfungsausschuss innerhalb der Modulanmeldefrist den Antrag auf Nachteilsausgleich stellen, dieser entscheidet im Einzelfall über den Antrag. 

    Hier können Sie als Lehrende unterstützen: 

    1. Frühe Informationen zur Prüfungsgestaltung 
      Studierende müssen beim Prüfungsausschuss den Antrag auf Nachteilsausgleich stellen. Dafür benötigen Studierende möglichst frühe Informationen über Termine und Ausgestaltung der Studien- und Prüfungsleistungen. 
    2. Zusätzlich: Verweis auf Beratungsangebote 
      Sie können zusätzlich zum Semesterstart auf Information und Beratung zum Nachteilsausgleich verweisen (Foliensatz Unterstützungsangebote für Studierende). 
    3. Entscheidung liegt beim Prüfungsausschuss 
      Der Prüfungsausschuss entscheidet immer im Einzelfall: Sie können daher auch bei Nachfragen und in Ihrer Sprechstunde am besten auf die Beratungsangebote (Beratungsstelle Inklusives Studieren) und für studiengangsspezifische Informationen an den Prüfungsausschuss (Kontaktdaten auf der Studiengangsseite) weiterverweisen. 
  • Lehrende werden vom Prüfungsausschuss oder den Studierenden über bewilligte Nachteilsausgleiche informiert. 

    Die Verantwortlichkeiten hierzu sind studiengangs-, bzw. fakultätsbezogen geregelt, ebenso die Organisationsaufgaben von Nachteilsausgleichen (wie separate Prüfungsräume). Informationen hierzu erhalten Sie bei Prüfungsausschussvorsitzenden oder Studiendekanaten.

     

    • Allgemeine Informationen zum Verfahren, Antragstellung und Hintergründe: Beratungsstelle Inklusives Studieren
    • Studiengangsbezogene Informationen zum Verfahren und der organisatorischen Umsetzung von Nachteilsausgleichen: Zuständige Prüfungsausschüsse, Kontaktdaten auf der HSB-Website des Studienganges.  
    • Didaktische Beratung in der Umsetzung: LehrePlus im Zentrum für Lehren und Lernen 
    • Technische Unterstützung, z. B. in Bezug auf Prüfungslaptops: IT-Ansprechperson Ihrer Fakultät oder E-Assessment im Zentrum für Lehren und Lernen
    • Studierende müssen in einem Antrag darstellen, worin ihre Benachteiligungen in Bezug auf die konkrete Prüfungssituation liegen. Dies muss in der Regeln mit (fach-)ärztlichen Attesten belegt werden. Sie können Vorschläge für ausgleichende Maßnahmen machen. Die Beratungsstelle Inklusives Studieren ist hierfür zentrale Anlaufstelle für Studierende, auch für Lehrende. 
    • Dafür steht ihnen ein Online-Antragsformular zur Verfügung, das 2026 aktualisiert wurde. Antragsformular und weitere Infos für Studierende: Nachteilsausgleich für Studierende. 
    • Nachteilsausgleiche werden nicht im Zeugnis vermerkt.
    • Studierende mit Pflege- und Sorgeverantwortung und in Schwangerschaft sind noch nicht explizit in die Regelungen mit aufgenommen. Auch für sie gibt es Beratungs- und Unterstützungsmöglichkeiten: Link zum Familienbüro für Studierende
  • Übersicht zum Nachteilsausgleich (PDF, 4 MB, Datei ist barrierefrei)

  • Antrag und Infos für Studierende

Information und Fortbildung

  • Das Modul vermittelt grundlegende Kenntnisse zur digitalen Barrierefreiheit in der Hochschullehre, die auf die eigenen Lehrveranstaltungen angewendet werden können. Das Modul ist zeitlich flexibel aufgebaut und kann selbstständig bearbeitet werden. 

    • Sie können das Modul auch im hochschuldidaktischen Zertifikat Stufe 1 oder 2 anrechnen, Informationen zur Anmeldung
    • Hier können Sie das Lernmodul aufrufen und durcharbeiten: AULIS Kurs 
  • Das hochschuldidaktische Programm von LehrePlus bietet wechselnde Themen: 
    LehrePlus-Programm

    Veranstaltungsreihe "Studieren mit ...: Erste Infos und Tipps für Lehrende"
    Vor Beginn jeden Semesters wird ein bestimmter Kontext von Studierenden aufgegriffen mit externen Expert:innen. Die Zentrale Studienberatung und das LehrePlus-Team ergänzen mit aktuellen Infos aus der HSB. 

    • Aus den bisherigen Veranstaltungen: "Studieren mit Blindheit und Sehbeeinträchtigung", "Studieren mit psychischer Erkrankung", "Studieren mit Nachteilsausgleich".
    • Interessiert Sie ein bestimmtes Thema? lehreplus@hs-bremen.de 
  • Im AULIS-Raum Vielfalt in der Lehre erhalten Sie Informationen zu diversitätssensibler Gestaltung und digitaler Barrierefreiheit in der Lehre. AULIS-Raum Vielfalt in der Lehre

     

  • Heterogenität von Lernen grundsätzlich einbeziehen 

    Der Ansatz Universal Design for Learning (UDL) zielt darauf ab, in der Lehrgestaltung Heterogenität von Lernen grundlegend mitzudenken - und so bestenfalls weniger individuelle Anpassungen erforderlich zu machen. 

    • Video: Was ist UDL? (Dr. Maike Gattermann-Kasper, Dr. Susanne Peschke, Dr. Marie-Luise Schütt)
    • Einführender Beitrag zu UDL auf dem hochschuldidaktischen Blog der HSB, “NotizBlog Lehren & Lernen”

    Literatur: 

    • Wer praxisnahe Hilfen zu UDL sucht – etwa Checklisten, Hintergrundinformationen oder Materialien zu den drei UDL-Prinzipien –, findet diese hier: CAST-Website.
    • Für eine vertiefte und kritisch-reflektierte Einordnung der Perspektive empfiehlt sich das entsprechende Kapitel in Jay T. Dolmages Buch: Dolmage (2017): Academic Ableism (ab Seite 115).
  • Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) hat eine sehr gute Übersicht zu Materialien und Orientierungshilfen zu barrierearmer Lehre zusammengestellt: 

    Übersicht barrierearmer Lehre

  • Was bedeutet Barrierefreiheit in Bezug auf Qualitätsmanagement, insbesondere für Modulbeschreibungen? 

    Dr. Maike Gattermann-Kasper und Dr. Susanne Peschke von der Universität Hamburg gaben in ihrem Fachvortrag an der HSB eine Einführung in das Thema.

    Videoaufzeichnung des Fachgesprächs an der HSB

Wissenswertes...

Was bedeuten bestimmte Kontexte, Erkrankungen oder Behinderungen von Studierenden für Sie als Lehrende? Wie ist die Situation von Studierende mit Care-Aufgaben? Hier erhalten Sie erste Anhaltspunkte zu Bedarfen und Beratungsmöglichkeiten.

  • Psychische Beeinträchtigungen sind der größte Anteil der studienrelevanter Beeinträchtigungen im Studium. Und auch bevor sie zu einer lang andauernden Beeinträchtgung werden, können Studierende von psychischen Krisen betroffen sein.

    Wie können Sie als Lehrende unterstützen?
    Das Team der Psychologische Beratungsstelle des Studierendenwerks Bremen (PBS) hat eine Hilfestellung für Lehrende, Mitarbeitende und Ansprechpersonen der öffentlichen Hochschulen in Bremen und Bremerhaven erstellt. Damit sollen Sie unterstützt werden, die emotionalen Nöte von Studierenden wahrzunehmen und zu unterstützen, ebenso wie sich in herausfordernden Momenten gegenebenfalls abzugrenzen. Download-Link zur Hilfestellung der PBS: "Psychische Krisen im Studium

    Beratung
    Sie können sich auch mit Ihren Fragen als Lehrende an die Beratungsstellen des PBS wenden: Link zur PBS

  • "Autismus ist eine angeborene Entwicklungsstörung, die sich auf die zwischenmenschliche Kommunikation und Interaktion auswirkt. Sie wird als Spektrumsstörung bezeichnet, da sie sich je nach Person unterschiedlich äußert und verschieden ausgeprägt ist. Oftmals haben Autist:innen Schwierigkeiten bei der räumlichen Orientierung, mit Wahrnehmung und Einschätzung fremder Emotionen, dem Verständnis sozialer Untertöne, sowie Zeit- und Arbeitsstrukturen.
    Im Studium kann die (Selbst-)Organisation und ein angemessenes Zeitmanagement eine Schwierigkeit darstellen. Viele können nicht einschätzen, wieviel Zeit jeweils für eine bestimmte Aufgabe eingeplant werden muss.
    Häufig kommt es auch zu Problemen bei Gruppenarbeiten, insbesondere in der Kommunikation mit Kommiliton:innen. Sensorische Reize (z.B. Geräusche, Gerüche, Beleuchtung,Menschenmengen) sind für Betroffene teilweise nur schwer auszuhalten, da sie vom Gehirn weniger gefiltert werden können. So kann es in vielen Situationen zu einer Reizüberflutung kommen." (Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung (KIS) Uni Bremen 2023:Studieren mit Beeinträchtigung.Lernen ohne Barrieren. Leitfaden für Lehrende)

    Sie fragen sich, wie Sie Studierende aus dem Autismus-Spektrum bestmöglich unterstützen können? Dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die Infos der Autismus-Ambulanz der Charité Berlin oder auf den Best-Practice-Guide - "Studieren mit Autismus-Spektrum-Störung" von AUTISMUS DEUTSCHLAND e.V. Sie erhalten dort viele nützliche Tipps im Umgang mit Studierenden aus dem Autismus-Spektrum:

    • Downloadlink zu Studierende mit AutismusSpektrum-Störung (ASS) - Infos aus der Autismus-Ambulanz für Erwachsene der Charité Berlin
    • Downloadlink Best-Practice-Guide: Ein Leitfaden zur Best Practice bei der Unterstützung von Studenten aus dem Autismus-Spektrum

     

  • Sie bemerken, dass Studierende Schwierigkeiten beim Formulieren oder Lesen von Texten haben? Möglicherweise benötigen diese Studierenden zusätzliche Unterstützung, Zeit oder Hilfsmittel bei der Bearbeitung oder dem Verstehen von Aufgabenstellungen.

    Was ist Legasthenie?

    Studierende mit Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung) haben Schwierigkeiten mit der Aufnahme und dem Verfassen von Texten. Diese Schwierigkeiten stehen  in keinem Zusammenhang mit der intellektuellen Leistungsfähigkeit der betroffenen Studierenden. Legasthenie ist bei Studierenden und Lehrenden immer noch ein Tabuthema

    Der Bundesverband Legasthenie (BVL) verwendet für gravierende Lese- und/oder Rechtschreibschwierigkeiten den klar definierbaren Begriff der Lese-Rechtschreibstörung sowie gleichbedeutend den Begriff Legasthenie. Gravierend sind diese Schwierigkeiten dann, wenn sie fachätztliche Kriterien erfüllen, die durch entsprechedne Nachweise dargestellt werden.

    Studieren mit Legasthenie – Auswirkungen im Hochschulalltag

    Legasthenie zeigt sich im Studium nicht nur in der Rechtschreibung, sondern betrifft verschiedene Dimensionen des Lernens und wissenschaftlichen Arbeitens:

    • Mitschriften: Gleichzeitiges Zuhören und Mitschreiben fällt schwer.
    • Fremdsprachen: Geringe Übertragbarkeit von Lesestrategien aus der Erstsprache, daher besondere Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben.
    • Lesen: Hoher Zeitaufwand und geringere Motivation im Vergleich zu Mitstudierenden.
    • Selbstwahrnehmung: Wenig Vertrauen in die eigenen Kompetenzen, Scham bei Rückfragen, Angst vor Stigmatisierung.
    • Arbeitsaufwand: Deutlich erhöhter Zeitbedarf für das Studium insgesamt.

    Besonderheiten beim Schreiben wissenschaftlicher Texte:

    • Unsicherheit beim Verstehen und Paraphrasieren von Fachliteratur
    • Schwierigkeiten beim Formulieren eigener Gedanken und bei der Textstrukturierung
    • Unterbrechungen des Schreibflusses durch Konzentration auf Schreibmechanik und Textoberfläche
    • Auffällige Probleme in Rechtschreibung, Grammatik und beim Korrekturlese

    Ist Legasthenie eine Behinderung?

    Das Störungsbild der Legasthenie ist inzwischen von der Rechtsprechung zum Prüfungsrecht als Behinderung anerkannt worden. Am 22. November 2023 hat das Bundesverfassungsgericht Legasthenie als Behinderung bestätigt. Die Gerichte sprechen damit den betroffenen Studierenden mit Legasthenie aus dem Grundrecht aus Art. 3 Abs. 1 GG das Recht auf Nachteilsausgleich in den Prüfungen zu.

    Betroffene Studierende können sich an die Psychologische Beratungsstelle des Studierendewerks wenden und dort einen Test-Termin zur kostenlosen diagnostische Abklärung vereinbaren. Die Empfehlungen der Psychologischen Beratungsstelle als Anlage zur Beantragung eines Nachteilsasugleichs basieren auf messbaren Ergebnissen der Diagnostik und sind somit hilfreich bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen.

     

     

     

  • Über Blindheit und Sehbeeinträchtigung

    Sehbehinderungen sind sehr individuell. Einen Überblick und Infos dazu finden Sie hier: Link zur Übersicht des DBSV zu Augenkrankheiten

    Ein unverkrampfter Umgang ist der Schlüssel: 3 Tipps
    (von Oliver Nadig, Blista, aus unserem Workshop 2023

    "Lassen Sie sich auch beim Kontakt mit blinden und sehbehinderten Menschen von Ihrer Professionalität in der Dozierenden-Studierenden-Kommunikation leiten und gehen Sie unverkrampft in Ihr erstes Gespräch mit einem Studierenden mit Sehbeeinträchtigung. Hier gleich zu Beginn drei Tipps zum entspannten Umgang:

    1. Vermeiden Sie im Gespräch nicht krampfhaft Wörter und Wendungen aus dem visuellen Bereich: Blinde Menschen sagen bei der Verabschiedung ebenso selbstverständlich „auf Wiedersehen“.
    2. Wenn Sie etwas nicht genau wissen – beispielsweise wie Sie eine blinde Person zu einem Stuhl geleiten oder ihr einen Weg beschreiben sollen, dann fragen Sie. Das wirkt auf Betroffene weitaus professioneller als unstrukturierter Aktionismus.
    3. Bedenken Sie, dass auch Ihr sehbehindertes oder blindes Gegenüber gehemmt sein könnte. Vielleicht spricht er oder sie zum ersten Mal mit einem „Herrn Doktor“ oder einer „Frau Professor“."

    Weitere Tipps zum unverkrampften Umgang zwischen seheingeschränkten und sehenden Menschen bietet die Broschüre des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes (DBSV): Download-Link zur DBSV-Broschüre „Nicht so, sondern so“

    Was können Sie in Ihrer Lehre tun?

    Am besten können Sie die Möglichkeiten der individuellen Unterstützung mit den Studierenden und den Beratungsstellen (Inklsuv Studieren und E-Assessement) besprechen. Bis Ende 2025 steht Ihnen außerdem die Unterstützung des AddInno-Teilprojektes zu digtaler Barrierefreiheit zur Verüfgung: Link AddInno-Teilprojekt digitale Barrierefreiheit in der Lehre.

    Wahrscheinlich können Sie vor allem in diesen Bereich unterstützen:

    1. Ihre Unterlagen in barrierefreier Form zur Verfügung zu stellen. Wie Sie Ihre Materialien digital barrierearm gestalten und wer Sie an der HSB dabei unterstützt finden Sie hier: Link AULIS-Raum Digitale Lehre für Alle.
    2. Arbeits- und Prüfungsleistungen mit Hilfe barrierefreier Software ermöglichen. Besuchen Sie dafür das oben genannte Beratungs- und Informationsangebot vom E-Assessment oder erkundigen Sie sich bei der Beratungsstelle Inklusives Studieren.

     

  • Bei Suchtthemen können Sie immer auch an die PBS weiterverweisen, vor allem wenn durch die Suchtthematik auch studienbezogene Themen auftreten.

    Anlaufstellen zu Suchtthematiken: 

    • Link zur Fachstelle Medienabhängigkeit
    • Link zur Suchtberatung
    • Prävention und Rehabilitation der Caritas
  • Auf der Seite Deutsche Gebärdensprache (DGS) erhalten Sie erste Infos zu DGS, wie Sie Veranstaltungen mit DGS-Verdolmetschung organisieren können und wo Sie weitere Informationen finden. 

    Einen persönlichen Einblick in das Studium mit DGS gibt das Interview mit einer tauben* Studierenden der Universität Duisburg. Link zum Interview.

  • "Unter diesem Begriff sind alle Krankheiten zu fassen, die dauerhaft bestehen, in der Regel für Außenstehende nicht sichtbar sind und dennoch nachhaltig die gesamten Lebensumstände der Betroffenen beeinflussen:

    • Asthma, Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Immunsystems, Herzerkrankungen, Multiple Sklerose, Epilepsie etc.

    Der Alltag Studierender mit chronischer Erkrankung wird stark beeinträchtigt durch die Art und den Verlauf der Erkrankung. Arztbesuche, notwendige Behandlungstermine, fest einzuhaltende Zeiten für Medikamente, Essen, Ruhephasen etc. bestimmen den Rhythmus. Der Studienverlauf muss dem Krankheitsverlauf angepasst werden.
    Chronische Erkrankungen verlaufen in der Regel nicht gleichförmig, es gibt gute und schlechte Zeiten. Zeitdruck und Stress (z.B.in Prüfungsphasen) führen aber meistens zu einer Verschlechterung der Situation. Da die Krankheit viel Energie und Zeit bindet, brauchen diese Studierenden oft mehr als die übliche Regelstudienzeit. Auch Studienunterbrechungen können notwendig werden. Schmerzattacken, Schübe oder auch Nebenwirkungen von Medikamenten reduzieren zeitweise die Konzentrationsfähigkeit, so dass Lerntempo und Leistungsfähigkeit abhängig vom Krankheitsverlauf werden." (Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung (KIS) Uni Bremen 2023:Studieren mit Beeinträchtigung.Lernen ohne Barrieren. Leitfaden für Lehrende)

    Wie können Sie Studierende mit chronischen Erkrankungen unterstützen?

    • Urteilen Sie nicht vorschnell: Fehlzeiten können auch gesundheitliche Ursachen haben.
    • Sorgen Sie für frische Luft und gutes Licht in den Veranstaltungsräumen, das erleichtert die Konzentration.
    • Vermeiden Sie Zeitüberziehungen in Lehrveranstaltungen.
    • Falls Sie Block- oder mehrstündige Abendveranstaltungen planen: Machen Sie Alternativangebote.
    • Setzen Sie sich für abgestimmte Prüfungszeiträume ein, um einen Prüfungsmarathon zu vermeiden.
  • AD(HS) ist eine seit vielen Jahren anerkannte psychische Erkrankung und zahlreiche Studien erforschen mögliche Ursachen. Das Bild vom "Zappelphilip" oder die Annahme einer "Modediagnose" sind zwar längst überholt und gehören dennoch zu den häufigsten Mythen und Stigmata, wenn es um AD(H)S geht.

    Was ist AD(H)S?

    "AD(H)S ist eine neurobiologisch bedingte Stoffwechselstörung im Gehirn, die sich hauptsächlich im Bereich der Aufmerksamkeit auswirkt. Sie wird auch als „Reizfilterschwäche“ bezeichnet. Die Fähigkeit, äußere Reize selektiv wahrzunehmen ist gestört, alle wirken gleichermaßen auf die Betroffenen ein. In vollen Seminarräumen, lauten Gruppen und/oder hektischer Umgebung lässt die Konzentration schnell nach und die Stressbelastung steigt an.
    Häufig haben Betroffene Probleme mit der Selbstorganisation: fehlendes Zeitgefühl, unsystematische Arbeitsweise, Aufschieben oder Vergessen von Aufgaben, Unkonzentriertheit. Emotional können Stimmungsschwankungen, Impulsivität und starke Aufgeregtheit auftreten." (Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung (KIS) Uni Bremen 2023:Studieren mit Beeinträchtigung.Lernen ohne Barrieren. Leitfaden für Lehrende)

    AD(H)S kann mit häufigen Begleiterkrankungen einhergehen, die eine zusätzliche Belastung darstellen. Dies können zum Beispiel Schlafstörungen, Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen sein.

    Viele Betroffnene haben aufgrund ihrer ADHS Diagnose auch besondere Ressourcen. So kann sich beispielsweise Impulsivität in Spontaneität, Flexibilität und auch in Kreativität ausdrücken. Eine ausschließlich defizitorientierte Sichtweise von Betroffenen wird diesen nicht gerecht.

    Wie können Sie Studierende mit AD(H)S unterstützen?

    • AD(H)S ist keine Charakterschwäche oder Resultat falscher Erziehung. Signalisieren Sie, dass Ihnen bekannt ist, dass es sich um eine neurobiologisch bedingte Störung handelt.
    • Strukturen schaffen: klarer Veranstaltungsplan, verbindliche Termine/Fristen für alle, Formulierung festumrissener Leistungsanforderungen.
    • Viele Studierende begrüßen es, die Lehrveranstaltungsunterlagen im Vorfeld zu erhalten. So können
      eigene individuell erlernte Arbeitstechniken angewendet und bspw. die Unterlagen im Vorfeld
      bearbeitet werden, um der Lehrveranstaltung besser folgen zu können
    • Sorgen Sie für einen klaren Ablauf der Lehrveranstaltung: Pünktlichkeit, regelmäßige Pausen, möglichst störungsfreies Umfeld (keine Smartphones!).
    • In der Sprechstunde: Sorgen Sie für Verbindlichkeit und Transparenz.
    • Schalten Sie Störquellen ab (Telefon, Smartphone, Zwischengespräche, Unterbrechungen etc.).
    • Bewerten Sie Unruhe, verbale Attacken, „nerviges“ Verhalten nicht als Unhöflichkeit, sondern als Ausdruck der Störung. Versuchen SIe, eine gewisse Kulanz zu gewähren bei verpassten Gesprächsterminen oder Deadlines.
    • Verweisen Sie ggf. auf die Unterstützungsangebote der Psychologische Beratungsstelle des Studierendenwerks PBS: www.stw-bremen.de/de/psychologische-beratung
    • auch Studierende mit AD(H)S können einen Nachteilsausgleich benatragen

    In dem Blog "Chaos im Kopf. Studieren mit ADHS" können Sie in einem lesenswerten Erfahrungsbericht Eindrücke aus dem Alltag mit ADHS im Studium bekommen.

     

  • Was bedeutet es, mit Kind(ern) oder Pflegeverantwortung zu studieren? Was ist „Care-Verantwortung“ eigentlich? Und wie kann ich als Lehrende:r unterstützen?

    Laut der aktuellen Sozialerhebung des Studierendenwerks aus 2021 geben 8% der Studierende an, Sorgeverantwortung für Kind(er) zu tragen und 12% der Studierenden übernehmen neben dem Studium Pflegeverantwortung für Familienmitglieder, Angehörige oder Freund:innen. Für diese verschiedenen Sorge-Verantwortungen wird zunehmend der Begriff ‚unbezahlte Care-Verantwortung‘ verwendet.

    Studierende leisten damit einen hohen gesellschaftlichen Beitrag für die Versorgung von Hilfebedürftigen oder zu Pflegenden sowie auch in der Sicherstellung der Versorgung eigener An- und Zugehöriger. Allerdings bedeutet Care-Verantwortung neben dem Studium eine zusätzliche Belastung und kann dazu führen, dass sich Studierende sich weniger gut auf Ihr Studium konzentrieren können. Studierende haben dann ggf. zu wenig Zeit für die Prüfungsvorbereitung, sind gestresst oder bekommen zu wenig Schlaf. Lehrende sind oft die erste Anlaufstelle für Studierende, wenn es darum geht die Vereinbarkeit von Elternschaft, Pflegeverantwortung und Studium zu besprechen.

    Das Familienbüro für Studierende bietet Beratung und Unterstützung für Studierende mit Care-Aufgaben an und informiert über Regelungen zum Mutterschutz, Urlaubssemster oder Teilzeitstudium.

    Die Universität Gättingen hat einen serh hörenswerten Podcast zum Thema "Take Care – Unialltag mit Pflegeverantwortung" veröffentlicht, der auf die Situation von Menschen aufmerksam macht, die studieren, forschen, arbeiten und gleichzeitig pflegen.

     

     

Studieren mit Autismus-Spektrum-Störung

Studierenden aus dem Autismus-Spektrum werden viele positive Fähigkeiten zugeschrieben.

  • Anhaltende Konzentration und Ausdauer, auch bei sich wiederholenden Aufgaben
  • Gewissenhaftigkeit, Loyalität und Aufrichtigkeit
  • sowie ihr stark ausgeprägter Sinn für Details und Fehler, für Genauigkeit und logisches Denken, sind sicher nur einige von vielen Stärken.

Dennoch berichten diverse Studierende aus dem Autismus-Spektrum auch von einigen Herausforderungen, auf die sie immer wieder treffen. Welche diese sind, darüber möchten wir in diesem Video informieren, das in Zusammenarbeit mit Studierenden der HSB entstanden ist.

Studieren mit AD(H)S

Studieren mit AD(H)S bringt oft Eigenschaften mit sich, die im Studienalltag sehr wertvoll sein können. Viele Studierende mit ADHS denken vernetzt und entwickeln kreative, ungewöhnliche Lösungsansätze  
Sie können sich stark für Themen begeistern und sich phasenweise sehr intensiv damit beschäftigen. Außerdem zeigen sie häufig Flexibilität im Denken, schnelles Reagieren und eine hohe Energie, wenn sie motiviert sind.

Gleichzeitig schildern zahlreiche Studierende mit AD(H)S auch typische Hürden im Studium, mit denen sie regelmäßig konfrontiert sind. In diesem Video geben wir Einblicke in diese Herausforderungen und zeigen mögliche Unterstützungs- und Bewältigungsstrategien auf. Das Video ist in Zusammenarbeit mit Studierenden der HSB entstanden.

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