FRÜH-SES
| Projektleitung | Scharff Rethfeldt, Wiebke, Prof. Dr. |
|---|---|
| Projektbeteiligte | Güttler, Catharina Marie, Dr. rer. medic. |
| Durchführende Organisation | Hochschule Bremen, Fakultät 3 |
| Projekttyp | HSB-intern gefördertes Projekt |
| Mittel- bzw. Auftragsgeber | Hochschule Bremen, F&E-Fonds |
| Förder- bzw. Auftragssumme | 5.088,00 € |
| Laufzeit | 06/2026 - 05/2027 |
| Forschungscluster | Lebensqualität |
Sprachentwicklungsstörungen (SES) gehören zu den häufigsten neuroentwicklungsbedingten Störungen im Kindesalter und sind mit langfristigen Risiken für Bildungserfolg, soziale Teilhabe und psychisches Wohlbefinden verbunden. Obwohl stabile Sprachauffälligkeiten bereits ab dem Vorschulalter zuverlässig erkennbar sind, bleibt SES insbesondere bei mehrsprachig aufwachsenden Kindern häufig unerkannt oder wird verzögert diagnostiziert. Ein zentrales Problem besteht darin, dass etablierte Sprachstandserhebungen stark von Wortschatz- und Grammatikkenntnissen in der Untersuchungssprache abhängen und damit im mehrsprachigen Kontext nur eingeschränkt differenzialdiagnostisch aussagekräftig sind. Das geplante Pilotprojekt untersucht alternative, zeitökonomische Nachsprechaufgaben als potenziell fairere Screeningverfahren für die Früherkennung von SES. Im Fokus stehen drei unterschiedliche Aufgabenformate zur Erfassung des phonologischen Kurzzeit- bzw. Arbeitsgedächtnisses: das Nachsprechen von Zahlenreihen, sinnfreien Silben und Kunstwörtern. Diese Aufgaben gelten als vergleichsweise unabhängig von erlerntem Wortwissen, unterscheiden sich jedoch hinsichtlich ihrer sprachlichen und artikulatorischen Anforderungen. Ziel ist es, systematisch zu prüfen, inwiefern sich mehrsprachige Kinder mit und ohne SES in ihrer Performanz in diesen Aufgaben unterscheiden und welches Material sich besonders für eine differenzialdiagnostisch belastbare Früherkennung eignet. Die Studie ist als Pilotprojekt mit analytischem Querschnittsdesign angelegt und kombiniert eine explorative within-subject-Perspektive mit einem Gruppenvergleich zwischen sprachauffälligen und sprachunauffälligen mehrsprachigen Kindern. Die Ergebnisse dienen der methodischen Vorbereitung größerer Anschlussstudien und sollen langfristig dazu beitragen, diagnostische Entscheidungsprozesse in der pädiatrischen Vorsorge und logopädischen Versorgung zu verbessern. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung kultursensibler Screeninginstrumente im frühkindlichen Bereich.