
Forschungsergebnisse gezielter in die Anwendung bringen – das ist Ziel der Initiative TCALL (Transfercluster Akademischer Lehrpflegeeinrichtungen in der Langzeitpflege). Sie wird an der Universität Bremen und der Hochschule Bremen (HSB) koordiniert und gehört zu bundesweit zwölf Initiativen, die im Rahmen der Programmlinie „T!Raum“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert werden. An der HSB ist TCALL als interdisziplinärer Forschungs- und Transferverbund organisiert und wird insbesondere durch das Zentrum für Pflegeforschung und Beratung (ZePB) repräsentiert. Die Initiative geht nun in die zweite Förderphase und erhält drei Jahre lang circa sechs Millionen Euro. Praxispartnerinnen sind unter anderem die Caritas Bremen sowie die Johanniter Seniorenhäuser GmbH.
Die Initiative TCALL schafft in Bremen modellhaft eine neue, stabile Innovations- und Transferstruktur für die Langzeitpflege. In Deutschland steigt die Anzahl pflegebedürftiger Menschen, während gleichzeitig der Mangel an Pflegekräften zunimmt. Vor diesem Hintergrund werden soziale, organisatorische und technische Neuerungen in vernetzten „Akademischen Lehrpflegeeinrichtungen“ erprobt, evaluiert und – wenn sie sich bewähren – in die Praxis implementiert, sowohl in Bremen als auch perspektivisch darüber hinaus. Beispiele hierfür sind Pflegemanagement-Coachings für Leitungskräfte sowie sprachgesteuerte Pflegedokumentationssysteme.
Ein zentrales Organisationsmerkmal von TCALL sind die Transformations- und Innovationsagent:innen (TIAs). Diese sind Mitarbeitende der Hochschule Bremen. Sie arbeiten direkt in den Pflegeeinrichtungen und bilden die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. TIAs identifizieren Probleme vor Ort, begleiten Innovationen und unterstützen deren Umsetzung.
„Mit TCALL zeigen wir, wie Hochschulen gemeinsam mit Praxispartner:innen konkrete Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln können", sagt Prof. Dr. Matthias Zündel vom Zentrum für Pflegeforschung und Beratung (ZePB) der HSB. "Unser Ziel ist es, Innovationen in der Langzeitpflege nicht nur zu erforschen, sondern sie dort wirksam werden zu lassen, wo sie gebraucht werden - bei den Pflegebedürftigen und den Mitarbeitenden in den Einrichtungen. Die zweite Förderphase gibt uns die Möglichkeit, die entstandenen Netzwerke weiter auszubauen und nachhaltige Strukturen für Transfer, Qualifizierung und Innovation in der Pflege zu etablieren.“
Prof. Dr. Heinz Rothgang, Hauptprojektleiter von TCALL und Professor für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung an der Universität Bremen: „Damit Innovationen in der Pflege nicht in Modellprojekten steckenbleiben, brauchen wir Strukturen, die Entwicklung und Evaluation in der alltäglichen Versorgung realisieren und damit Qualifizierung und Implementierung ermöglichen. Die zweite Förderphase ist für uns die Chance, wirksame Ansätze weiter zu verstetigen und in die Breite zu tragen.“
Mit Blick auf die Initiative TCALL betont Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Verbraucherschutz und Frauen: „TCALL steht beispielhaft für den Anspruch Bremens, Innovationen nicht nur zu entwickeln, sondern auch wirksam in die Praxis zu bringen. Die enge Zusammenarbeit von Wissenschaft, Pflegeeinrichtungen und regionalen Partnern schafft konkrete Verbesserungen für Pflegebedürftige und Beschäftigte gleichermaßen. Die zweite Förderphase ermöglicht es, erfolgreiche Ansätze weiter auszubauen und langfristig in der Versorgung zu verankern.“
TCALL wird von einem Verbund getragen, in dem die Universität Bremen und die Hochschule Bremen gemeinsam mit Praxispartnern aus der Bremer Langzeitpflege arbeiten. Vonseiten der Universität Bremen sind das Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM), das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) sowie das Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) beteiligt; vonseiten der Hochschule Bremen das Zentrum für Pflegeforschung und Beratung (ZePB). Praxispartnerinnen sind unter anderem die Caritas Bremen sowie die Johanniter Seniorenhäuser GmbH.