
Flachs und Hanf zählen zu den wichtigsten Naturfaserpflanzen Europas. Ihre Fasern werden unter anderem für nachhaltige Verbundwerkstoffe in der Automobilindustrie, im Bauwesen sowie in weiteren technischen Anwendungen eingesetzt. Eine internationale Forschungsgruppe unter Beteiligung der Hochschule Bremen (HSB) hat untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Produktion und Qualität von Flachs- und Hanfpflanzen sowie deren Fasern auswirken könnte. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Industrial Crops and Products“ veröffentlicht.
Die Studie zeigt, dass steigende Temperaturen, veränderte Niederschlagsmuster und häufigere Extremwetterereignisse die Verfügbarkeit und die Eigenschaften dieser wichtigen nachwachsenden Rohstoffe erheblich beeinflussen können. Gleichzeitig identifizieren die Forschenden Strategien, mit denen sich die Pflanzenproduktion an veränderte klimatische Bedingungen anpassen lässt.
Die Forschenden analysierten den aktuellen Wissensstand zu den Auswirkungen steigender Temperaturen, veränderter Niederschlagsmuster und zunehmender Extremwetterereignisse auf diese bedeutenden Nachwachsenden Rohstoffe.
An der Veröffentlichung beteiligt war auch Professor Dr. Jörg Müssig von der Arbeitsgruppe Biologische Werkstoffe am Bionik-Innovations-Centrum des Fachbereichs Natur und Technik der HSB. Die Studie zeigt, dass Klimaveränderungen sowohl das Pflanzenwachstum als auch die Faserqualität beeinflussen können. Gleichzeitig werden verschiedene Anpassungsstrategien vorgestellt, darunter die Entwicklung klimaresilienter Sorten sowie die Optimierung von Anbau-, Ernte- und Verarbeitungsverfahren.
Professor Dr. Jörg Müssig: „Naturfasern spielen eine zentrale Rolle für die Entwicklung nachhaltiger Werkstoffe. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie sich veränderte Umweltbedingungen künftig auf ihre Verfügbarkeit und Qualität auswirken werden. Unsere Studie zeigt, dass wir bereits heute Anpassungsstrategien entwickeln müssen, um die Versorgung mit hochwertigen Naturfasern langfristig sicherzustellen.“
Der Erstautor der Studie, Dr. Johnny Beaugrand vom französischen Forschungsinstitut INRAE in Nantes, betont die besondere Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit: „An dieser Studie haben wir einige Jahre gearbeitet. Ich danke allen Beteiligten für ihre Ausdauer und ihre Beiträge. Entstanden ist weit mehr als ein einfacher Übersichtsartikel; gemeinsam konnten wir wichtige Erkenntnisse für die Zukunft von Flachs- und Hanffasern im Klimawandel zusammentragen.“
Die Veröffentlichung unterstreicht die Bedeutung internationaler Forschungskooperationen für die Entwicklung nachhaltiger Werkstoffe und resilienter biobasierter Wertschöpfungsketten.
Veröffentlichung: Beaugrand, J., Müssig, J., Day, A., Shah, D. U., Amaducci, S., Blandinières, H., Ouagne, P., Guessasma, S., Placet, V., Baley, C. & Bourmaud, A. (2026): Projected impacts of global warming on the production and qualities of hemp and flax plants and fibres: Toward adaptation strategies. Industrial Crops and Products, Vol. 248, 123513. DOI: 10.1016/j.indcrop.2026.123513
Die Aufnahme zeigt Faserhanf, einen Nachwachsenden Rohstoff. Flachs- und Hanffasern gelten als wichtige Rohstoffe für nachhaltige Verbundwerkstoffe. Eine internationale Studie unter Beteiligung der Hochschule Bremen untersucht, wie der Klimawandel ihre Produktion und Qualität beeinflussen könnte.
© Jörg Müssig
