Governance und Verantwortung
| Projektleitung | Zimpelmann, Beate, Prof. Dr. |
|---|---|
| Projektbeteiligte | Wülbers, Shazia, Dr. Form, Stephan, Prof. Dr. |
| Durchführende Organisation | Hochschule Bremen, Fakultät 3 |
| Projekttyp | HSB-intern gefördertes Projekt |
| Mittel- bzw. Auftragsgeber | Hochschule Bremen, F&E-Fonds |
| Förder- bzw. Auftragssumme | 10.446,00 € |
| Laufzeit | 05/2026 - 07/2027 |
| Forschungscluster | Lebensqualität |
Die sozial-ökologische Transformation europäischer Wirtschaftssysteme wird politisch häufig als Belastung für Unternehmen dargestellt. Insbesondere im Zusammenhang mit dem deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und der europäischen Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) dominiert aktuell das Narrativ, dass regulatorische Anforderungen zu weit gingen und Unternehmen überforderten. Diese Wahrnehmung hat in den letzten Jahren maßgeblich zu einer politischen Abschwächung beider Regelwerke beigetragen. Demgegenüber zeigt die unternehmerische Praxis ein anderes Bild: Zahlreiche Unternehmen sind in ihren Transformationsstrategien deutlich weiter als die Politik. Sie investieren freiwillig in nachhaltige Lieferketten, klimaneutrale Produktionsprozesse, Kreislaufwirtschaft, faire Arbeitsbedingungen, partizipative Governance-Strukturen und langfristige Transformationspfade – nicht primär aus regulatorischem Zwang, sondern aus ökonomischer, ökologischer und sozialer Einsicht. Das geplante Folgeprojekt setzt genau an dieser Diskrepanz zwischen politischem Narrativ und unternehmerischer Realität an. Ziel ist es, empirisch fundiert darzulegen, dass viele Unternehmen bereits heute über bestehende und sogar geplante gesetzliche Anforderungen hinausgehen – und dass politische Abschwächungen der Nachhaltigkeitsgesetzgebung nicht den tatsächlichen Transformationsstand widerspiegeln. Lieferketten bleiben ein wichtiger Bestandteil der Analyse, werden jedoch explizit als ein Schritt unter mehreren verstanden. Das Projekt betrachtet sozial-ökologische Transformation ganzheitlich: von Lieferketten über Produktion, Produkte, Geschäftsmodelle, Kreislaufwirtschaft, Arbeitsbeziehungen, Governance und strategische Unternehmensausrichtung. Im Zentrum des Projektes steht eine zweitägige interdisziplinäre Tagung, ergänzt durch Vorrecherchen, Interviews und Fallstudien. Die Ergebnisse werden in einem wissenschaftlich fundierten, praxisnahen Sammelband veröffentlicht. Studierende des Masterstudiengangs Interdisziplinäres Nachhaltigkeitsmanagement werden systematisch in Forschung, Organisation und Auswertung eingebunden. Sie sollen Fallstudien im Rahmen der Projektmodule durchgeführen. Die Tagung wird mit ISPM Studierenden des 7. Semesters im Rahmen des Moduls „Praxis der Politik“ geplant und umgesetzt. Sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene ist in den letzten Jahren eine politische Rückwärtsbewe-gung zu beobachten: Die CSDDD wurde im politischen Prozess deutlich abgeschwächt (eingeschränkter Anwendungsbereich, Wegfall verbindlicher Klimapläne, reduzierte Haftungsmechanismen). Das deutsche Lieferkettengesetz besteht formal fort, wurde jedoch durch reduzierte Berichtspflichten, geringere Sanktionen und politische Relativierungen entkernt; weitere Abschwächungen werden diskutiert. Diese Entwicklungen werden politisch häufig mit dem Argument begründet, Unternehmen entlasten zu müssen. Gleichzeitig betrachten zahlreiche Unternehmen ambitioniertere Klimaziele als ökonomisch und ökologisch erstrebenswert und sehen Wettbewerbsvorteile durch eine Transparenz ihrer Lieferketten und innovative, nachhaltige Strategien. Diese Diskrepanz bildet den zentralen analytischen Ausgangspunkt des Projekts.