Die Leitung der Hochschule Bremen (HSB) ist irritiert über die Nominierung eines HSB-Projekts für den Negativpreis „Absurdester Tierversuch 2025“ des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche". Bei dem Projekt handelt es sich um eine Studie in der zoologischen Grundlagenforschung, die in einer renommierten internationalen Fachzeitschrift publiziert und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wurde. Jede Peer-reviewed Studie und jedes DFG-Projekt durchläuft qualitativ hochwertige und unabhängige Begutachtungsverfahren. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass alle Maßgaben des Tierschutzgesetzes befolgt werden müssen. Daten und Erkenntnisse wurden vollumfänglich und transparent veröffentlicht. Dies entspricht den Prinzipien der guten wissenschaftlichen Praxis. Das Projekt ist seit Ende 2022 abgeschlossen.
Ein typisches Merkmal der meisten biologischen Materialien ist ihre Fähigkeit, auf mechanische Belastung zu reagieren. So verstärken sich beispielsweise Bäume, die sich im Wind wiegen, indem sie mehr Holz hinzufügen, um den Kräften standzuhalten. In ähnlicher Weise besitzen die Skelettstrukturen von Menschen und anderen Wirbeltieren die Fähigkeit, Knochenmaterial hinzuzufügen oder zu entfernen, um ihre mechanischen Eigenschaften zu optimieren. Die meisten Tiere auf der Erde haben jedoch ein sogenanntes Exoskelett (Außenskelett) aus Kutikula. Ziel der zoologischen Studie war zu untersuchen, ob diese Exoskelette auch auf mechanische Belastung reagieren können - oder ob Wirbeltierknochen und Holz in dieser Hinsicht evolutionär einzigartig sind.
Um diese grundlegende biologische Frage zu beantworten, zogen Wissenschaftler:innen der Hochschule Bremen Heuschrecken mehrere Wochen lang unter erhöhter mechanischer Belastung auf. Anschließend maßen die Forscher:innen mit etablierten und wissenschaftlich anerkannten Methoden die Steifheit der Beine und analysierten mittels Röntgenmikrotomographie die Struktur der Kutikula.
Durch die Ergebnisse der Studie ist jetzt bekannt, dass nicht nur Knochen und Holz auf mechanische Belastung reagieren können. Insekten verfügen auch über diese sehr wichtige Fähigkeit. Die Ergebnisse dieser Studie helfen somit dabei, sehr grundlegende Aspekte der Evolution von biologischen Materialien bei Menschen, Tieren und Pflanzen besser zu verstehen.
Die Studie hat das in der Forschung mit Tieren etablierte 3R-Prinzip (Replace, Reduce, Refine) berücksichtigt. So wurden zum Beispiel die Anzahl der Tiere auf ein statistisch notwendiges Minimum reduziert (reduce) und Haltungsbedingungen der Tiere durchgehend hinsichtlich Verbesserungsmöglichkeiten überprüft (refine).
Link zur wissenschaftlichen Publikation (auf Englisch)
Über das 3R-Prinzip: https://www.tierversuche-verstehen.de/das3rprinzip/