
Am 22. Januar 2026 versammelte sich die Fakultät Wirtschaftswissenschaften zu ihrem traditionellen Fakultätstag zum Semesterabschluss. Moderiert von Prodekanin Prof. Dr. Vera de Hesselle bot der Tag einen intensiven Einblick in die Zukunft der Fakultät und die wissenschaftliche Arbeit neuer Teammitglieder. Neben strategischen Updates wurde außerdem eine gute Tradition wiederbelebt: Seit knapp zwei Jahrzehnten gab es wieder eine Antrittsvorlesung.
Weichenstellung für die kommenden Monate
Ein Programmpunkt war der Bericht zur Fakultätsstrategie. Prof. Dr. Christian Feddersen, Studiendekan für Forschung, Transfer und Marketing, präsentierte das aktuelle Eckpunktepapier. Er skizzierte die strategischen Initiativen, die das Dekanat in enger Abstimmung mit dem Lenkungskreis und dem Fakultätsrat auf den Weg bringen wird.
Hinweis für Fakultätsmitglieder: Das Eckpunktepapier steht im Intranet (HSB intern) zum Download bereit.
Ein Startschuss: Die Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Dr. Jan Thiele
Nach der Einleitung durch den Dekan der Fakultät 1, Prof. Dr. Rainer Lisowski, folgte ein besonderes Highlight: die erste Antrittsvorlesung an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften seit mehr als 20 Jahren. Prof. Dr. Dr. Jan Thiele widmete sich unter dem Titel „Zwischen Algorithmus und Ökosystem: Verwaltungsinformatik als Brücke“ einem der drängendsten Themen unserer Zeit: der digitalen Verwaltung.
Thiele thematisierte das sogenannte „digitale Paradoxon“: Trotz zahlreicher Strategien nehmen Bürger:innen und Unternehmen die Fortschritte der Verwaltungsdigitalisierung bisher nur eingeschränkt wahr. Als Lösung präsentierte er die Verwaltungsinformatik als interdisziplinäre Brückenbauerin, die soziotechnische Systeme analysiert und gestaltet, um eine resiliente und effiziente Verwaltung zu ermöglichen.
Erkenntnisse aus der Praxis und Blick in die Forschung
Basierend auf über zehn Jahren Praxiserfahrung – von der elektronischen Beschaffung bis zum digitalen Verwaltungszugang – benannte Prof. Thiele die Kernbarrieren der Modernisierung:
Heterogene IT-Landschaften und Medienbrüche.
Siloartige Fachverfahren.
Rechtliche Rahmenbedingungen, die den digitalen Vollzug hemmen.
Sein Plädoyer: Nachhaltige Modernisierung braucht nicht nur Interfaces, sondern digitaltaugliche Gesetze und eine tiefgreifende organisationale Weiterentwicklung. Zukünftig möchte er verstärkt agentenbasierte Modelle nutzen, um komplexe Dynamiken staatlichen Handelns besser zu erklären.
Ausblick: Verzahnung von Wissenschaft und Praxis
Abschließend gab Prof. Thiele einen Ausblick auf sein Forschungsprofil und seine Ziele in der Lehre. Besonders im dualen Studiengang Wirtschafts- und Verwaltungsinformatik sowie durch innovative Formate wie Planspiele und Digital-Twin-Ansätze will er die Brücke zwischen Theorie und Praxis weiter festigen.
Der Fakultätstag klang in entspannter Atmosphäre bei Imbiss und Getränken aus. Die Teilnehmenden nutzten ausgiebig die Gelegenheit, die Impulse des Tages in persönlichen Gesprächen zu vertiefen und sich zu vernetzen.


