
Was ist Demokratie? Was bedeutet Freiheit? Welche Rolle spielen Menschenrechte? Mit diesen und anderen Fragen haben sich rund 60 Studierende der Hochschule Bremen (HSB), Hochschule Bremerhaven und zahlreiche internationale Studierende im „Projekt: Demokratie“ auseinandergesetzt. Ihre Ergebnisse können Besucherinnen beim Bürgerfest im Bremer Rathaus sehen. Dort ist die Ausstellung im Festsaal im Rahmen des Offenen Rathauses am Sonntag, 4. Oktober 2026, für Teilnehmer:innen von Führungen zugänglich. Im Anschluss soll die Ausstellung an verschiedenen Standorten in Bremen und Bremerhaven gezeigt werden.
Vom 3D-Computerspiel im digital modellierten historischen Rathaus, in dem Rätsel zur Geschichte und Demokratie in Bremen gelöst werden müssen, über filmische Beiträge, architektonische Untersuchungen deutscher Länderparlamente bis zu Plakatkampagnen und Demokratie-Starter-Kits: Herausgekommen sind vielfältige Arbeiten. Ihnen ist gemeinsam, dass sie bei der Beschäftigung mit der Basis der Gesellschaft neue, medial teils ungewöhnliche Wege gehen und ein junges Publikum ansprechen wollen.
„Selbstverständlich ist Demokratie kein `Projekt`, sondern ein lebendiger Prozess, den es zu stärken, zu verteidigen, manchmal zu ertragen und immer wieder neu mit Leben zu füllen gilt“, sagt Projektleiter Prof. Andreas Teufel der HSB. „Es ist jene Staatsform, die am ehesten geeignet ist, Macht zu begrenzen, zu teilen und so individuelle Freiheiten zu gewähren, Minderheiten zu schützen und Recht vor Stärke zu stellen. Sie ist auch die Basis der akademischen Freiheit. Weil demokratische Werte in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten, setzen wir uns als Hochschulen umso stärker für sie ein“, so der Studiendekan der Fakultät Elektrotechnik und Informatik der HSB.
In einer akademischen Untersuchung wurde „Demokratie“ dann zum Projekt für rund 60 Studierende der HSB und Hochschule Bremerhaven. Hinzu kamen Studierende aus Frankreich, Italien, Luxemburg, Norwegen, der Türkei und den USA. „Die Diskussion demokratischer Werte über die Grenzen hinweg gehörte zu den größten Inspirationen, die die Studierenden in diesen Monaten erleben konnten“, so Andreas Teufel.
Im Zentrum standen unterschiedliche Fragen: Was ist Demokratie? Was bedeutet Freiheit? Welche Rolle spielen Menschenrechte? Und was bedeuten bürgerliche Autonomie und Eigenstaatlichkeit? Wie kann Bürgerbeteiligung aussehen und wie kann das Wissen über Beteiligungsprozesse – wie etwa Wahlen – vermittelt werden? Zu diesen Fragen wurden Lösungsansätze entwickelt.
Die konzeptionelle Breite der Lösungen wurde möglich durch vier teilnehmende Studierendengruppen aus drei Fakultäten und zwei Hochschulen. Sie wurden begleitet von Lehrenden der Disziplinen Architektur, Gamedesign, Kommunikationsdesign, Mediengestaltung und Video.
Erster Kristallisationsort und Startpunkt der Arbeit war das UNESCO-Welterbe Rathaus und Roland. Gemeinsam mit dem Ensemble rund um den Markt: Bürgerschaft, Handelskammer, Dom, Liebfrauenkirche und Stadtmusikanten lassen sich hier exemplarisch die Entwicklung und Geschichte der Freien Hansestadt Bremen erzählen und ihre Werte verstehen.
Die Idee zum „Projekt: Demokratie“ entstand im Internationale Studiengang Medieninformatik an der Hochschule Bremen. Das curriculare Projektstudium bot den Rahmen, sich anlässlich des Tages der Deutschen Einheit mit dem Bremer Rathaus und seiner Geschichte zu befassen. Parallel arbeitete der Studiengang Architektur an der Ausstellung „Demokratie als Bauherrin“ – und die Lehrenden begannen ihre Kooperation.
Von Beginn an wurde die Charakteristik des Landes Bremen als Zwei-Städte-Staat reflektiert und mündete in die Zusammenarbeit mit dem Studiengang Digitale Medienproduktion an der Hochschule Bremerhaven. In dieser Konstellation präsentiert sich die Ausstellung.
Bereits in der Planungsphase des Projekts unterstützte die Hochschulen der Verein zur Förderung des Welterbes Rathaus und Roland in Bremen. Auch die Senatskanzlei Bremen und die Bremische Bürgerschaft konnten als Partner:innen gewonnen werden, ohne die das Projekt nicht hätte entstehen können. Sie standen den Studierenden in vielfältiger Weise zur Verfügung: als Expert:innen und Interview-Partner:innen, mit der Bereitstellung von Materialien, Literatur, Räumen, durch die Begleitung der Projektgruppen und die Teilnahme an Workshops und Präsentationen. „Hierfür möchten wir allen sehr herzlich danken“, so Andreas Teufel.
Ralf C. Schreier (Lehrbeauftragter der HSB) und Prof. Nicole Slink (Hochschule Bremerhaven), Prof. Andreas Teufel und Prof. Dr. Christian von Wissel (beide HSB)
Verein zur Förderung des Welterbes Rathaus und Roland in Bremen e.V., Senatskanzlei Bremen, Bremische Bürgerschaft, Hochschule Bremen & Hochschule Bremerhaven
Prof. Nicole Slink
Professorin für Kommunikationsdesign
Telefon: +49 471 4823 312
E-Mail: nslink@hs-bremerhaven.de