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„Deutsches Bildungssystem könnte für Tunesien Orientierung beim wirtschaftlichen Umbau geben“ - Zahlreiche Gespräche Bremer Wissenschaftler in dem nordafrikanischen Land

Die Präsidentschaftswahlen in Tunesien am 23. November 2014 zeigten: Das Land, in dem vor drei Jahren der Arabische Frühling begann, scheint als eines der wenigen in der Region die politische Transformation recht gut zu bewältigen. Ein drängendes Problem aber ist noch nicht gelöst: Denn wirtschaftlich war Tunesien bislang von hoher struktureller Arbeitslosigkeit, von Bürokratie, staatlichen Monopolen und Gefälligkeitsentscheidungen geprägt. Will das Land dauerhaft erfolgreich sein, steht daher jetzt die zweite, ungleich schwierigere Phase der Transformation bevor: der wirtschaftliche Umbau des Landes. Eingeklemmt zwischen dem Pulverfass Algerien und dem festgefahrenen Bürgerkrieg in Libyen richtet sich Tunesiens Hoffnung auf die Zusammenarbeit mit Europa.

Bremer Wissenschaftler, unter ihnen Prof. Dr. Hans-Heinrich Bass von der Hochschule Bremen, haben in den vergangenen Tagen in Tunis zahlreiche Gespräche mit Entscheidungsträgern aus Wissenschaft, Ministerien, Unternehmerverbänden und Internationalen Organisationen geführt. Ziel der vom DAAD geförderten Mission war es, gemeinsam mit den Partnern von der Universität Tunis Ansatzpunkte für eine zukünftige, den Herausforderungen besser gerecht werdende Wissenschafts-, Technologie- und Industriepolitik in Tunesien zu erarbeiten. Auch sollten Anknüpfungspunkte für eine beiderseits vorteilhafte deutsch-tunesische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Innovationspolitik erkundet werden.

Eine wichtige Erkenntnis der Bremer Wissenschaftler: Das bisherige tunesische Bildungssystem ist nicht zukunftsfest. Zahlreiche Hochschulabsolventen finden keinen Arbeitsplatz. Das birgt auch für die neue Regierung jede Menge sozialen und politischen Sprengstoff. Auf der anderen Seite suchen ausländische Unternehmen in Tunesien nach Fachkräften und müssen neu eingestellte Mitarbeiter monatelang „on the job“ nachschulen. Praxisbezug, Teamarbeit, Führungsqualitäten und der Blick über den Tellerrand – diese Fähigkeiten werden von den deutschen Unternehmen in Tunesien bei ihren Neueinstellungen vermisst.

Für Dr. Hans-Heinrich Bass, Professor für Internationale Wirtschaft an der Hochschule Bremen, bedeutet dies: „Das deutsche Bildungssystem mit seiner starken Verbindung von Praxis und Theorie könnte für Tunesien eine Orientierung beim wirtschaftlichen Umbau geben. Neben der dualen Berufsbildung sind besonders die Fachhochschulen ein interessantes Modell – mit Lehre und Forschung aus der Praxis und für die Praxis.“ Zudem rät der Bremer Wirtschaftsprofessor den tunesischen Planern zu einer smarten Lenkung ausländischer Direktinvestitionen – weg von der Gießkannenstrategie bei der Investitionsförderung, hin zu einer gezielten Einbindung in globale Wertschöpfungsketten. Auch dadurch sei Technologietransfer möglich.

Weitere Teilnehmer der Bremer Delegation waren neben Prof. Dr. Hans-Heinrich Bass von der Hochschule Bremen der emeritierte Bremer Wirtschaftswissenschaftler und renommierte Afrika-Kenner Prof. Dr. Karl Wohlmuth, die Kulturwissenschaftlerin und Nordafrikaexpertin Dr. habil. Cordula Weisskoeppel von der Uni Bremen sowie der Betriebswirt und Experte für betriebliches Innovationsmanagement Prof. Dr. Achim Gutowski als Vertreter einer privaten Fachhochschule in Hamburg. Als Studierendenvertreter nahm der frühere ASTA-Finanzreferent und Volkswirtschaftsstudent Felix Reimann von der Hochschule Bremen an der Delegationsreise teil.
Ansprechpartner
Name Telefon E-Mail
Bass, Hans Heinrich, Prof. Dr. +49 421 5905 4214  senden


veröffentlicht am 2014-11-25 14:27

 

 

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