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Hochschule Bremen - University of Applied Sciences

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ARCHITEKTURTHEORIE UND BAUGESCHICHTE
PROF. DR. CLAUDIA KROMREI

Architektur ist keine theoretische Disziplin, sondern eine sehr konkrete. Gebauter Raum entsteht stofflich-materiell, körperlich-fassbar in einer konkreten Zeit an einem konkreten Ort. Das Architekturstudium zielt darauf, zum Entwerfen und Konstruieren von Raum zu befähigen. Es zielt darauf, eine architektonische Haltung zu entwickeln und für eine bestimmte Aufgabe eine Form zu finden. Innerhalb einer solchen Disziplin und eines solchen Studiums muss auch die Lehre von der Geschichte und Theorie der Architektur auf den Erkenntnisgewinn für den Entwurfsprozess zielen.

Die Architekturgeschichte wird daher weniger als Geschichte der Epochen und Stile gelehrt, als vielmehr als Geschichte von Raum- und Gebäudetypologien. Bestimmte Gebäudetypologien und Raumformen werden aus heutiger Perspektive in ihrer Entwicklung und Transformation durch die Jahrhunderte und überregional betrachtet. Der Blick zielt durch die spezifische, historisch und kulturell bedingte Ausdrucksform hindurch zu dem allem zugrunde liegenden Thema und Baugedanken und der Kohärenz der inneren und äußeren Zusammenhänge. Der Baugedanke ist in jeder Vergangenheit mit den Mitteln und Möglichkeiten seiner Zeit zum Ausdruck und zur Darstellung gebracht worden und will das heute wieder – mit den Mitteln unserer Zeit. Durch Analyse, Vergleich, Analogiebildung, Differenzierung und In-Beziehung-Setzen erarbeiten wir uns eine Wissensstruktur, aus der heraus wir eine eigene Entwurfsthese fundiert entwickeln können. Der Entwurf ist mitnichten eine Synthese, die sich folgerichtig aus der Analyse ableiten ließe, aber ein reines individuelles Experiment ist er auch nicht.

In der Architekturtheorie machen wir uns auf die Suche nach der Dialektik von Gedanke, Gebäude und Sprache. Auch wenn sich Architektur nicht vollständig sprachlich fixieren und restlos deuten lässt, sind Sprache und Schrift immerhin präzise Mittel der Reflexion, der Kommunikation und des Diskurses. Wenn wir ein gebautes oder gedachtes, ein konkret existierendes oder ein abstraktes Werk erforschen, analysieren, einordnen und den ihm zugrunde liegenden Gedanken benennen wollen, benötigen wir sprachliche Mittel und einschlägige Begriffe. Einige Protagonisten der Architekturtheorie setzen sich allein mit den Mitteln der Sprache mit dem Raum auseinander, andere bringen ihre Haltung und ihr Selbstverständnis praktisch und theoretisch zum Ausdruck und beantworten die Frage nach der Bedeutung ihrer Disziplin und ihres Schaffens sowohl in Schriften als auch in Bauwerken. Die Präzisierung in Sprache und Schrift dient aber nicht nur der Kommunikation und dem Diskurs; sie schärft auch den Blick auf die eigene Entwurfsarbeit und befähigt, in Worte zu fassen, was man tut.

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Kromrei, Claudia, Prof. Dr.-Ing. +49 421 5905 2259  senden


 

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