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Hochschule Bremen - University of Applied Sciences

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Top-Themen


Volkswirtschaftliche Colloquien

Lobbyismus: Legitime Interessenvertretung oder Gefahr für die Demokratie? - Vortrag von Dr. Diana Wehlau, Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, Bremen
Vertreter von Wirtschaftsunternehmen dürfen wie jede andere Bevölkerungsgruppe in Deutschland bei den Politikern um Gehör für ihre Interessen werben. Dieses Lobbying ist selbstverständlicher Bestandteil einer pluralistischen Demokratie. Wenn jedoch in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass Parteien und Politiker eine zu große Nähe zu Unternehmen und Wirtschaftsverbänden pflegen, steht bald der Vorwurf der Klientelpolitik im Raum oder sogar die Vermutung der Käuflichkeit politischer Entscheidungen. Da die Lobbyarbeit der Wirtschaft immer intensiver und professioneller wird, hegen viele den Verdacht, dass Regierungen und Parlamente immer weniger dem Allgemeinwohl verpflichtet sind und immer mehr die eigennützigen Interessen finanzstarker Konzerne und Verbände bedienen. Was ist dran an diesen Vorwürfen? Gefährdet der Lobbyismus die Demokratie in Deutschland? Dr. Diana Wehlau erklärt die unterschiedlichen Facetten der Lobbyarbeit und analysiert die vielfältigen Beziehungen zwischen Politik und Wirtschaft. Am Beispiel des Einflusses der Finanzbranche auf die Einführung der Riester-Rente diskutiert sie, wie der Erfolg von Lobbyarbeit zu Stande kommt und welche Gefahren für die Demokratie daraus resultieren.
Demographie oder Demagogie? - Vortrag von Professor Dr. Gerd Bosbach, Fachhochschule Remagen
"Die Deutschen sterben aus. Der Fachkräftemangel wird das Wirtschaftswachstum erwürgen. In zwanzig Jahren können die Jungen die Renten für die Alten nicht mehr bezahlen." Mit diesen Panikthemen wird Politik gemacht. Dr. Gerd Bosbach, Professor für Statistik und Empirische Wirtschaftsforschung an der FH Remagen, hingegen stellt diese Aussagen vom Kopf auf die Füße: Was wissen wir tatsächlich über die demographischen Entwicklung? Welche versteckten Annahmen gibt es bei den Prognosen? Welche Rolle spielt die Produktivitätsentwicklung für unseren künftigen Lebensstandard? Welche anderen Einflussfaktoren werden in der politischen Diskussion übersehen? Ist eine "Demographisierung" der Diskussion über die wirtschaftliche und soziale Entwicklung überhaupt gerechtfertigt?
Different Methods of Assessing the Business Environment. A case Study from Rwanda - Vortrag von Dr. Farid Hegazy, Deputy Head of the GIZ programme "Promotion of the Economy and Employment” in Rwanda"
Ruanda hat 2009 in dem von der Weltbank durchgeführte Ranking in dem international vergleichbaren "Doing Business Report" einen Sprung auf Rang 67 (im Vergleich: 2008 noch 139) von insgesamt 183 gemacht und wird ausdrücklich als Reformer gelobt. Trotzdem ist der Blick der Privatwirtschaft auf Wachstumshindernisse zusätzlich erhellend. Transport, Land, Steuern, Finanzierung, elektrischer Strom, Bürokratie und Wasser wurden als Haupthindernisse identifiziert. Welchen Effekt die Befolgung von Regularien auf die Privatwirtschaft hat, welche Regularien am lästigsten und zeitaufwendigsten sind, wie die Privatwirtschaft auf dieses reagiert und welche Kosten damit anfallen, muss man dann allerdings auch noch untersuchen. Dann kommt man zu dem erschreckenden Ergebnis: Ruandische Unternehmer entscheiden sich bewusst gegen das Wachstum ihrer eigenen Unternehmen durch Begrenzung ihrer Mitarbeiterzahl und ihres Umsatzes.
Doing Business in Canada - Vortrag von Professor Dr. Dawit Eshetu, Niagara College, Niagara-on-the-Lake, ON, Canada
Advanced economies including Canada are competing harder to attract new foreign investment and retain existing ones as new more promising locations such as the BRICs are emerging. The shares of the GDP of emerging economies in the world GDP has been increasing steadily, whereas the shares of that of developed countries has been declining. However, countries such as Canada have still a competitive edge in selected areas and are continuing to attract investment. Among OECD countries, Canada is ranked among the top in terms of its economic fundamentals and also in terms of conduciveness of its business operating environment. OECD expects Canada, especially its financial sector to come out of the recession relatively stronger than others. The presentation will highlight key features of the Canadian economy and will assess the strengths and weaknesses of Canada as an investment location. Using recent data and projections, the presentation will illuminate Canada's position in the world stage and among OECD
countries.
Russische Gazellen: Schnell wachsende mittelständische Unternehmen als neue Träger wirtschaftlicher Entwicklung in Russland - Vortrag von Professor Dr. Andrei Yudanov (Finanzakademie Moskau)
Der Begriff der "Gazellenunternehmen" wurde in den 1980er Jahren von David Birch geprägt und ist mittlerweile ein allgemein akzeptierter Begriff für Unternehmen, die über einen längeren Zeitraum hinweg schnelles Wachstum zeigen. In den entwickelten Marktwirtschaften sind solche Gazellen eher selten (etwa 7 bis 15 Prozent der Unternehmen), aber sie tragen weit überproportional zum Wachstum von Beschäftigung und Produktion bei.
In Russland wurden Gazellenunternehmen erstmals von einer Forschungsgruppe der Finanzakademie identifiziert und beschrieben (Yudanov at al, 2003-2006). Die Untersuchung basiert auf Daten von Unternehmen, die einen Jahresgewinn von 10 Mio. USD und mehr erwirtschafteten. Die Grundgesamtheit waren 25.000 Unternehmen, von denen 7.000 mit vollständigen Daten in die Untersuchung einbezogen werden konnten. Neben der statistischen Analyse wurden Unternehmensprofile der erfolgreichsten Gazellenunternehmen erstellt und Interviews mit den Geschäftsführern durchgeführt. Die wesentlichsten Forschungsergebnisse waren:
1. In Russland ist der Anteil der Gazellenunternehmen im internationalen Vergleich sehr hoch – etwa 7 bis 15 Prozent. Einige dieser Unternehmen sind Tochterunternehmen ausländischer Firmen.
2. Gazellen sind hauptsächlich mittelgroße Unternehmen. Anders als die russischen Großunternehmen sind sie nicht im Rohstoffsektor tätig, sondern im Handel, im verarbeitenden Gewerbe, im Dienstleistungssektor sowie im Erziehungs- und Gesundheitssektor.
3. Gazellenunternehmen tragen erheblich zum russischen BIP-Wachstum bei und tragen fast das gesamte Wachstum an Arbeitsplätzen. Auch stellen sie den Strukturwandel sicher.
4. Das Management der russischen Gazellenunternehmen weist verschiedene Besonderheiten auf im Vergleich zu den anderen russischen Unternehmen. Stärken liegen insbesondere in der strategischen Planung, der bewussten Nischenwahl und einer langfristigen Wachstumsorientierung.
5. Außerdem zeichnet sich das Management dieser Unternehmen durch eine Ausrichtung auf legale Geschäftsfelder mit hoher Transparenz aus. Anders als in der Regel bei anderen russischen Unternehmen sind die veröffentlichten Zahlen der Gazellenunternehmen komplett und korrekt.
6. Zudem bemühen sich die Gazellenunternehmen um die Herstellung von engen, konstruktiven Verbindungen (business linkages) mit anderen Unternehmen.
Germany and Euroland in the global economic crisis - Vortrag von Professor Dr. Joerg Bibow, Skidmore College, USA
The ongoing global economic crisis features the implosion of credit structures that have been closely related to "global (current account) imbalances”. My talk will challenge the view that Euroland apparently acted as a bystander in the built-up of global imbalances and hence represents something of a "victim” in today’s crisis. In particular, I will reject the idea of Germany as the paragon of sound "stability-oriented” policies. Germany is not only the key source of serious imbalances within Euroland and Europe. Globally, the acclaimed world export champion may also lay claim to the title of "global parasite no.1".
E-mail: jbibow@skidmore.edu Homepage : http://www.skidmore.edu/~jbibow/
What Role for Developmental States in the 21st Century? - Vortrag von Dr. Dirk Bezemer, Rijksuniversiteit Groningen, Niederlande
This paper makes two points, both supported by empirical analysis. Effective development aid requires ˜developmental state" policies rather than the trade openness and restrictive fiscal and monetary polices which are still among the standard aid conditionalities. And constructive government involvement by ˜developmental states" is especially crucial for agricultural development, which in turn is a sine qua non for broader economic growth. We review the literature on the effectiveness of aid, which appears inconclusive after the Burnside and Dollar (2000) result (that aid effectiveness depends on trade openness and restrictive polices) was deconstructed by Easterly et al (2003). We propose another set of policies that may be effective, inspired by "developmental state" literature which points to the importance of strong and capable states, industrial and credit polices, stable exchange rates and high savings rates, and educational investment. In an empirical test we find that an index reflecting these polices tends to improve aid effectiveness for growth, also when we control for a "South East Asia" effect. We then discuss the role of developmental states especially for policies towards the agricultural sector, in support of broader growth and transformation. We find that public investments in agriculture are vital for developing agriculture's productive capital stocks.


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