Umweltbildung und Gewässerschutz in Brasilien
Ein Beitrag auf dem Markt der Möglichkeiten zu einem Projekt über umweltpolitisches und soziales Engagement auf dem Kirchentag in Bremen 2009 Typische Kernthemen des 32. Deutschen Evangelischen Kirchentages in Bremen waren Fragen nach einer gerechten Gestaltung einer globalisierten Welt, der Bewahrung der Schöpfung und der Würde des Menschen. Dieses sind naturgemäß auch Themen der Biologie. Warum sollten wir Biodiversität erhalten? Zerstört der Anbau von Tierfutter die Lebensgrundlagen vieler Menschen in den Tropen? Wie kann ein gerechter Vorteilsausgleich bei der Gewinnung von Arzneistoffen aus Urwaldpflanzen erfolgen?Auf die meisten dieser Fragen gibt es keine Standardantworten aus dem Lehrbuch. Verantwortungsvolles Handeln verlangt das Überdenken eigener Positionen und das Kennenlernen des Anderen.
Der Stand "ISTAB-Umweltbiologie. Projekt Umweltbildung in Brasilien" war das Ergebnis einer Projektarbeit in der Lehrveranstaltung Projektmanagement: Soner Bekar, Jonathan Gymnich, Maik Kallaene, Michael Mozer, Dennis Otto, Sebastian Reimann (ISTAB-Studierende im 4. Semester) und Heiko Brunken (ISTAB Lehrgebiet Ökologie und Naturschutz).
"Mensch, wo bist Du?" - Das Motto des Kirchentages, vielfach zitiert und interpretiert. Auch unsere Projektpartner in der Landgemeinde Tuparetama im Sertão von Pernambuco, Nordostbrasilien, werden sich hierzu ganz eigene Gedanken machen. Foto: Heiko Brunken.
Das Studium der Umweltbiologie im Internationalen Studiengang Technische und Angewandte Biologie (ISTAB) ist eng verknüpft mit den Themen einer nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen und eines gerechten Vorteilsausgleiches. Der Erhalt der globalen Biodiversität, der Schutz von Arten und Ökosystemen und die langfristige Sicherung der genetischen Vielfalt erfordern neben einem fundierten biologischen Fachwissen auch Kompetenzen in interkultureller Kommunikation. Beides sind wichtige Eckpfeiler im ISTAB-Studium. Integriert im siebensemestrigen Bachelorstudium sind ein verpflichtendes Studienjahr im Ausland sowie Module zur intensiven Vor- und Nachbereitung des Auslandsjahres.
ISTAB-Studierende absolvieren ihr Auslandsjahr in vielen Staaten dieser Erde. Besonders enge Partnerschaftsbeziehungen gibt es zu mehreren Universitäten im Nordosten Brasiliens (u.a. Universidade Federal de Pernambuco UFPE in Recife, Pernambuco). Bestandteil der Kooperation sind vielfältige Aktivitäten speziell im Bereich Gewässerschutz und Umweltbildung. In einem gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben in den halbwüstenartigen Trockengebieten des nordostbrasilianischen Hügellandes, dem so genannten Sertão, steht das Thema Wasser im Mittelpunkt. In den nur dort vorkommenden, weltweit einzigartigen Ökosystemen werden die begrenzten natürlichen Wasserressourcen durch zunehmenden Nutzungsdruck und Verschmutzung stark beeinträchtigt. Maßnahmen der künstlichen Wasserhaltung wie z.B. Zisternen bergen bei den tropischen Temperaturen große Gefahren für den Menschen durch bakterielle Verunreinigungen und Parasiten.
Ziel des in der Landgemeinde Tuparetama am Fluss Rio Pajeú durchgeführten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens ist die Erfassung von Basisdaten zu Wasserqualität, Biodiversität und gesundheitlichen Situation der von einer dezentralen Trinkwasserversorgung abhängigen Landbevölkerung sowie die Entwicklung und Anwendung von Gewässerschutzmaßnahmen. Wesentliches Element des Projektes ist eine unmittelbare Einbeziehung der Bevölkerung in die laufenden Vorhaben durch Umwelt- und Gesundheitsbildung. Verfolgt wird hierbei ein gesamtheitlicher Ansatz, der die natürlichen Kreisläufe und Abhängigkeiten zum Beispiel zwischen Trinkwasser und Gewässerschutz oder zwischen Nutzungs- und Schutzerfordernissen der Gewässerökosysteme berücksichtigt. Bearbeitet werden die Ebenen Mikrobiologie und Wasserqualität, Parasiten und Gesundheit sowie Gewässerschutz und Fischökologie.
Einige Eindrücke aus dem Projektgebiet
ÁGUA - Wasser, ... die begrenzte Ressource im trockenen nordostbrasilianischen Hügelland. Umweltbildung ist der Schlüssel für langfristige Schutzkonzepte. Im Rahmen unseres gemeinsamen Projektes haben Studierende und Dozenten von ISTAB hier bereits Unterrichtsmaterialien entwickelt, Lehrerfortbildungen und Umweltprojektwochen durchgeführt. Foto: Heiko Brunken.
Ein wesentlicher Baustein der Umweltbildung im ländlichen Raum ist die Erwachsenenbildung. Foto: Heiko Brunken.
Schüler aus den Partnerschulen der Kooperationsgemeinde Tuparetama werden aktiv in aktuelle Biodiversitätsforschungen eingebunden, wie hier bei der Untersuchung der Fischfauna des Rio Pajeú. Die Ergebnisse werden online im Fischartenatlas von Perbnambuco (Atlas de Peixes de Pernambuco - Redaktion Heiko Brunken, ISTAB) veröffentlicht und somit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Foto: Heiko Brunken.
Caatinga - so der Name für die Vegetationseinheiten im semi-ariden Nordostbrasilien. "Caatinga" bedeutet "grauer Wald". Nach der kurzen Regenzeit werden Blätter und Baumrinden graubraun (Trockenheits- und Strahlungsschutz). Dann dominieren im Landschaftsbild die immergrünen Kakteen und die roten Felsen. Hier ein noch ursprünglicher Landschaftsausschnitt im Nationalpark "Vale de Catimbau", Pernambuco. Foto: Heiko Brunken.
Alle Flüsse sind hier temporär, d.h. sie führen nur wenige Wochen oder Monate im Jahr Wasser. Lebensraum für viele, zum Teil nur hier auf der Welt vorkommende Bioptopspezialisten. Die Erfassung der Fischbiodiversität und die Erforschung der Wiederbesiedlungsstrategien nach der langen Trockenheitsphase ist Teil der ISTAB-Forschungsaktivitäten. Foto: Heiko Brunken.
Fisch zählt auch hier im trockenen Sertão für große Bevölkerungsschichten zu den wesentlichen Nahrungsquellen. Der ehemalige Fischreichtum der Gewässer wurde jedoch durch Gewässerverschmutzung und Bau von Stauanlagen deutlich reduziert. Kernaufgaben des gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens sind daher Strategien zur Gewässerrenaturierung und nachhaltigen Nutzung der Fischbestände. Foto: Heiko Brunken.
Wenn der Regen für lange Zeit ausbleibt sind Grundwasserpumpen und Zisternen oft die einzigen Trinkwasserquellen. Grundwasser und Böden werden durch nicht nachhaltige Landnutzung zunehmend salzhaltiger, Zisternen bergen Gefahren durch Kontamination mit Bakterien und Parasiten. Umweltbildung ist hier ein wesentlicher Schlüssel für die Anwendung ressourcenschonender Bewirtschaftungsmethoden. Foto: Heiko Brunken.
Ohne Wasser keine Ernten. Ohne Ernten Hunger und Armut. Armut führt zu Landflucht. Diese wiederum zu Slumbildungen in den Großstädten der Küste oder zu Brandrodungen im Amazonasgebiet. Ganz einfache Zusammenhänge, deren Lösung jedoch weitaus schwieriger sind. Ein wesentliches Element zur Bewältigung dieser immensen Zukunftsaufgaben heißt jedoch immer wieder Bildung, Bildung, Bildung ...! Foto: Heiko Brunken.
Hier Umweltbildung einmal anders! Foto: Heiko Brunken.

