Schnell-Navigation:

Hochschule Bremen - University of Applied Sciences

Top-Themen


Forum Biodiversität

Biodiversität, Flora und Fauna
Die Themen Biodiversität, Flora und Fauna stehen in der Umweltbiologie im "Internationalen Studiengang Technische und Angewandte Biologie" (ISTAB) in Forschung und Lehre an zentraler Stelle. Im "Forum Biodiversität" möchten wir Informationen über Biodiversität zusammenstellen, um Studierende und weitere Interessierte auf aktuelle Themen hinzuweisen und einen Einstieg in die Materie zu erleichtern.

Bremen, 13.12.10
gez. Prof. Dr. Heiko Brunken, Prof. Dr. Dietmar Zacharias
Informationen zur Biodiversitätsforschung in Deutschland
2011 - Internationales Jahr der Wälder
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2011 zum "Internationalen Jahr der Wälder 2011" erklärt. "Forests For People - Wälder für Menschen" heißt das Motto, unter dem auch in Deutschland die Vorbereitungen für zahlreiche Maßnahmen begonnen haben. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) hat eine Dachkampagne gestartet, an der sich alle waldinteressierten Akteure beteiligen können.
Beschlüsse der 10. UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) im japanischen Nagoya
Röttgen: Staatengemeinschaft leitet überfällige Trendwende zum Schutz der biologischen Vielfalt ein

Bundesumweltminister Norbert Röttgen sieht in den Beschlüssen der 10. UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt (CBD) im japanischen Nagoya ein weltweites Aufbruchsignal. "In Japan hat die internationale Staatengemeinschaft die überfällige Trendwende eingeleitet, um den anhaltenden Raubbau an der Natur zu stoppen. Die ambitionierten Beschlüsse in den drei zentralen Bereichen konnten auch erreicht werden, weil die EU entschlossen vorangegangen ist", sagte Röttgen zum Abschluss der Konferenz am Freitag Abend. Der Bundesumweltminister hatte Anfang der Woche an der UN-Konferenz in Nagoya teilgenommen.

Die Konferenz fasste Beschlüsse in drei zentralen Bereichen: Die Teilnehmer beschlossen eine neue Zielsetzung und eine ambitionierte Strategie für den globalen Schutz der biologischen Vielfalt von 2011 bis 2020, sie stellten verbindliche Finanzierungsziele für deren Umsetzung auf und verabschiedeten international verbindliche Regelungen für den Zugang zu genetischen Ressourcen und die gerechte Gewinnaufteilung aus deren Nutzung.

Als "Durchbruch" bezeichnete Röttgen die Einigung auf ein Protokoll zur Regelung des Zuganges zu genetischen Ressourcen und der gerechten Gewinnbeteiligung bei der Nutzung dieser Ressourcen. Damit ist es nach 20 Jahren endlich gelungen, auch das dritte Ziel der Konvention über die biologische Vielfalt zu konkretisieren. Jetzt verfügt die internationale Staatengemeinschaft über ein wirksames Instrument zur Verhinderung von Biopiraterie, das sowohl den Entwicklungsländern als auch den Nutzerländern, insbesondere Industrieländern, einen verlässlichen Rahmen bei der Nutzung genetischer Ressourcen gibt. Für solche Fälle, die nicht eindeutig im Rahmen des neuen Instrumentes geklärt werden können, wurde die mögliche Einrichtung eines multilateralen Fonds im Protokoll verankert.

Außerdem haben sich die Konferenzteilnehmer auf ein neues ambitioniertes globales Ziel für die biologische Vielfalt geeinigt: Bis 2020 sollen alle Staaten wirksame Maßnahmen ergriffen haben, um den Verlust an biologischer Vielfalt zu stoppen. Erreicht werden soll dieses Ziel durch die neue internationale Strategie, die 20 konkrete Unterziele enthält. Ein ehrgeiziger Plan zur Mobilisierung der erforderlichen finanziellen Mittel soll die Umsetzung begleiten. "Mit diesen wegweisenden Beschlüssen hat die Weltgemeinschaft die Richtung der internationalen Politik zum Schutz der biologischen Vielfalt für die nächsten 10 Jahre vorgegeben. Diese gilt es nun, mit Leben zu füllen", betonte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Ursula Heinen-Esser, die den Bundesumweltminister seit Mitte der Woche auf der Konferenz vertreten hatte.

Beim Thema Klimaschutz und Biodiversität ist eine Verknüpfung mit dem Waldschutz gelungen. Mit dieser Partnerschaft sollen die internationalen Klimaverhandlungen unterstützt werden, mit dem Ziel, Leitlinien zu entwickeln, mit denen die Entwaldung und zerstörerische Waldnutzung (sogenannter REDD-Mechanismus) gestoppt werden kann. Röttgen hatte in Nagoya bekannt gegeben, dass das Bundesumweltministerium für den Schutz der tropischen Regenwälder, die eine besondere Bedeutung für den Klimaschutz haben, zusätzlich 10 Millionen Euro zur Verfügung stellt. Das Geld soll in einen Fonds der Weltbank fließen.

Ebenso stellte die Konferenz in Nagoya die Bedeutung von Schutzgebieten für die Erhaltung der weltweiten Biodiversität heraus. Dafür muss eine ausreichende Finanzierung sicher gestellt werden. Hierbei kann besonders die globale Initiative
LifeWeb eine wichtige Rolle spielen, die mit maßgeblicher Unterstützung Deutschlands auf der Vertragsstaatenkonferenz in Bonn 2008 geschaffen worden war. Die Konferenz einigte sich auf weitere Schritte zum Ausbau eines globalen Netzes von Meeresschutzgebieten. Vorschläge für ökologisch und biologisch bedeutsame Meeresgebiete, sowohl innerhalb als auch außerhalb nationaler Hoheitsgebiete, sollen auf regionaler Basis erarbeitet und nach Annahme durch die nächste Vertragsstaatenkonferenz der Generalversammlung der Vereinten Nationen übermittelt werden. "Auch beim Meeresnaturschutz sind wir ein gutes Stück voran gekommen und haben ein wichtiges Signal gesetzt", so Heinen-Esser.

Am Rande der Konferenz wurde der Abschlussbericht der TEEB-Studie vorgestellt, die 2007 unter maßgeblicher Beteiligung Deutschlands auf den Weg gebracht worden war. Ziel der Studie ist es, den ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt und die Kosten der Naturzerstörung zu untersuchen und darzustellen. Der Abschlussbericht ist eine Zusammenfassung aller Einzelberichte, die bisher veröffentlicht wurden. An den Beispielen eines natürlichen Ökosystems (Wald), einer menschliche Siedlung (Stadt) und eines Wirtschaftszweigs (Bergbau) wird dargestellt, wie die in der Studie beschriebenen wirtschaftlichen Konzepte und Instrumente dabei helfen können, den Wert der Natur bei Entscheidungen auf allen Ebenen einzubeziehen.

In Nagoya wurde das Sekretariat der CBD beauftragt, einen Vorschlag ausarbeiten, wie die drei großen UN-Umweltkonventionen (Biodiversitätskonvention, Klimarahmenkonvention, Wüstenkonvention) besser zusammenarbeiten können.

---------------------------------------------------------------
Hrsg: BMU-Pressereferat, Alexanderstraße 3, 10178 Berlin; Redaktion: Dr. Christiane Schwarte (verantwortlich), Thomas Hagbeck, Jürgen Maaß, Frauke Stamer; Tel.: 03018-305-2010. Fax: 03018-305-2016; E-Mail:presse@bmu.bund.de - Internet:_http://www.bmu.de/presse_
---------------------------------------------------------------
Totholz als entscheidender Faktor für die Biodiversität im Wald
Unzählige Habitatspezialisten im Ökosystem Wald sind auf ein kontinuierliches Angebot von Totholz angewiesen.

Seit Jahren wird die Frage diskutiert, welche Mengen an Totholz im Wirtschaftswald nachhaltig vorhanden sein muss, um die Vielfalt der auf Totholz spezialisierten Flora und Fauna in unseren Wäldern erhalten zu können. Dabei hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass zwischen Umweltparametern und Artvorkommen vor allem nichtlineare Beziehungen bestehen. Dies drückt sich darin aus, dass es entlang von Gradienten eines Umweltfaktors oft zu einem abrupten Wechsel zwischen dem häufigen und seltenen Auftreten einer Art kommt. Als besonders bedeutend für das Auftreten von xylobionten Käfern, Schnecken und Holzpilzen hat sich das gesamte Angebot an Totholz pro Hektar (d.h. Totholz über 12 cm einschließlich des Totholzes an noch lebenden Bäumen) herausgestellt.
ein abgestorbener stark zersetzter Baumstamm im Wald
Anfang der 1990er Jahre galten empirisch ermittelte Werte von 5-10 m3/ha Totholz als ausreichend und 10-20 m3/ha Totholz als gut. Jüngere, statistisch untermauerte Untersuchungen liegen alle über diesen Werten. Die Schwellenwerte für signifikant höhere Artenzahlen für Insekten, Mollusken, Spechte und Holzpilze bewegen sich durchweg in einem Bereich von 30-60 m3/ha Totholz! Für starke Naturnähezeiger unter den xylobionten Käfern sowie Käfer der Roten Liste liegt die Mindesttotholzmenge sogar bei 100 m3/ha und darüber.
(Quelle: Schaber-Schoor 2009 Zielkonflikt naturnahe Waldwirtschaft und Energieholznutzung [verändert]) (HB 06.05.09)
(Foto: Heiko Brunken)
BUND "Schwarzbuch Wald" dokumentiert Defizite beim Naturschutz und in der Forstwirtschaft
Pressemitteilung des BUND vom 21. Juli 2009:

Berlin: Ein erstmalig vorgelegtes "Schwarzbuch Wald" des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) weist erhebliche Defizite in der deutschen Waldwirtschaft nach. In 15 Fallstudien aus elf Bundesländern werden u. a. Verstöße gegen nationale und europäische Naturschutzgesetze und -richtlinien dokumentiert. Dazu gehören Kahlschläge, Fällungen wertvoller Altbaumbestände und Bodenschäden. Mehrfach wurde auch die Brut besonders geschützter Arten zerstört, was gegen das Bundesnaturschutzgesetz verstößt. Zur Begründung für verheerende Eingriffe werde oftmals die Verkehrssicherungspflicht missbraucht. - Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender: "Die aufgedeckten Fälle sind symptomatisch für die Missachtung des Wald- und Naturschutzes. Die heutige Waldwirtschaft genügt weder den gesetzlichen Anforderungen noch dem Natur- und Artenschutz. Der Stopp des Artensterbens ist eine der dringlichsten Aufgaben unserer Zeit. Das Bundeswaldgesetz muss diesen Erfordernissen angepasst werden, damit es den Naturschutz fördert und nicht gefährdet. Die Forstreformen, die zu Personaleinsparungen geführt haben, müssen dringend korrigiert werden, damit die naturnahe Waldwirtschaft in Deutschland eine Chance hat." - Zum Schutz der Artenvielfalt sei es dringend erforderlich, fünf Prozent der Waldfläche als Naturwaldreservate oder Kernzonen von Großschutzbieten vollständig aus der Nutzung zu nehmen. Diese Flächen sollten langfristig um weitere fünf Prozent der Waldfläche bestehend aus kleineren Arealen ergänzt werden. Derzeit seien gerade mal 0,5 Prozent der Wälder forstlich ungenutzt. Der BUND kritisierte die schwarz-rote Regierungskoalition für ihr Versäumnis, wie im Koalitionsvertrag vereinbart das Bundeswaldgesetz zu novellieren. - In einem neuen Waldgesetz müssten die Standards der sogenannten "guten fachlichen Praxis" verbindlich definiert werden. Dazu gehörten das Verbot von Kahlschlägen, das Gebot der Nachhaltigkeit in der Holzbewirtschaftung sowie die naturschutzfachlich kompetente Betreuung von FFH- und Vogelschutzgebieten. - Besondere Verantwortung trage Deutschland für den Erhalt der Buchenwälder. Ursprünglich sei ein Viertel der weltweiten Buchenwaldbestände in Deutschland beheimatet gewesen, wovon jedoch der größte Teil abgeholzt oder in Nadelholzforste umgewandelt worden sei. - Nicola Uhde, BUND-Naturschutzexpertin: "Nur wenn die Bundesregierung auch hierzulande den Schutz der Wälder ernst nimmt, ist sie im internationalen Kontext glaubwürdig. Ansonsten werden die berechtigten deutschen Forderungen zum Schutz der Regenwälder und des Klimas nicht ernst genommen."

Unter nachfolgendem Link finden sich das BUND-Schwarzbuch Wald zum Herunterladen und die zehn Forderungen des BUND für eine künftige Waldwirtschaft. Kontakt: Nicola Uhde, BUND-Naturschutzexpertin, Tel. 030-27586-498 bzw. Katrin Riegger, BUND-Pressereferentin, Tel.030-27586-464, presse@bund.net, www.bund.net
gez. Nicola Uhde, BUND

 

 

Access Keys: