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Hochschule Bremen - University of Applied Sciences

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Exkursion nach Schillig am 06.12.2009

Am Nikolaustag ins Watt
Was liegt näher, als sich bei strömendem Regen und nasser Kälte frühmorgens bei völliger Dunkelheit aufzumachen, um ins Wattenmeer zu fahren? ... von den meisten Zeitgenossen milde und ein wenig mitleidig belächelt!

Der Tag hat uns recht gegeben! Mit der Ankunft am Meer ließ der Regen nach, und wir konnten uns voll unserem Exkursionsprogramm widmen: marine Fauna des Wattenmeeres! Unter den neugierigen Augen eines Seehundes haben wir dann auch so manches Spannendes entdeckt - wer wusste denn vorher schon was von Seenadeln, Schlickanemomen oder Bäumchenröhrenwürmern?
Wirbellosenfauna
Das Wattenmeer ist eines der produktivsten Ökosysteme der Welt. Ein Großteil der Biomasse steckt in der Wirbellosenfauna. Die meisten Arten leben dabei im Verborgenen, eingegraben im Schlick oder im Sand. So wurden z.B. unter einem Quadratmeter Wattboden bei Sylt zwischen 4.245 und 53.097 Individuen der Makrofauna (Siebweiten 1 mm) ausgezählt (Reise 1985, Reise & Lackschwitz 1998; zit. in Dittmann o.J.). Diese und weitere spannende Informationen stammen aus dem Buch "Faszination Meeresforschung" (Hempel et al. o.J.).
Wateenmeer mit Sandboden bei Ebbe
Der Wattboden (hier ein Sandwatt) wirkt auf den ersten Blick monoton und lebensfeindlich. Foto: Heiko Brunken.
Studengruppe in Wathosen im Watt
Da hilft nur eins: graben! Schon bei der ersten Probe zeigen sich zahlreiche Arten wie z.B Herzmuscheln oder verschiedene Polychaten. Foto: Heiko Brunken. Tipp: Zum Vergößern des Bildes (Mozilla Firefox) rechte Maustaste > Grafik anzeigen.
Wattwürmer in einer Fotoschale
Die erste Beute - Wattwürmer (Arenicola marina) und Seeringelwürmer (Nereis spec.) zählen zu den großen Vertretern der Wattbodenfauna. Foto: Heiko Brunken.
Wattwurm Vorderende
Deutlich zu erkennen ist hier der für Polychaeten typische vorstülpbare Schlund des Wattwurms. Foto: Angela Verwold.
Muschelbank im Watt
Viele Lebensformen im Meer sind sessil. Sie brauchen eine feste Unterlage, um sich anzuheften. Dies ist im Wattenmeer mit seinen wechselnden Strömungen und feinen Sedimenten ein begrenzender Faktor. Muschelbänke bilden sozusagen "künstliche" Felsen, an denen sich dann wiederum andere Tiere anheften können.
miteinander verwachsene Muscheln
Hier ein Detail aus einer solchen Lebensgemeinschaft. Einen wesentlichen Anteil an diesen Systemen bilden die Miesmuscheln (Mytilus edulis) (eine größere links im Bild). Sie produzieren mit ihrem Fuß so genannte Byssusfäden, mit denen sie sich untereinander und an Hartsubstraten festheften. So können sie auch auf weichen Sedimentuntergründen große Aggregationen bilden mit Millionen von Einzeltieren, die wiederum Lebenraum für andere sessile Arten sind (hier im Bild z.B. die Seepocken). Foto: Angela Verwold.
2 Käferschnecken unter einem Stein
Auf Hartsubstrate anfgewiesen - die Rändel-Käferschnecke (Lepidochitona cinerea) gehört zu der sehr ursprünglichen Molluskengruppe der Polyplacophora, die sich durch 8 schuppenartige Schalenplatten auszeichnen. Foto: Heiko Brunken.
die Unterseite eines Steine mit wirbellosen Tieren bewachsen
Oft übersehen, die Schlickanemone (Sagartia troglodytes), hier mit eingezogenen Tentaklen, auf der Unterseite eines Steines. Foto: Heiko Brunken.
Studenten ziehen im Watt ein Zugnetz ans Land
Ein weiterer wichtiger Lebensraum ist der freie Wasserkörper, der im Wattenmeer allerdings nur bei Hochwasser vorhanden ist. Alle hier lebenden Tiere müssen hoch mobil sein, wie z.B. Krabben oder Fische. Zum Nachweis dieser Fauna setzen wir ein kleines Handzugnetz ein. Foto: Martin Klem.
Krabben im Netz
Dominierend in den Fängen war die Nordseegarnele (Crangon crangon). Sie treibt mit der Ebbe seewärts und kehrt im der Flut zurück. Tagsüber gräbt sie sich im Sand ein und nimmt entsprechende Färbung an. Foto: Martin Klem.
Studentinnen schauen in ein Probenglas
Im Netz ein kleines "Klümpchen Glibber" - erst in einem Glas mit sauberem Wasser erkennbar: die Seestachelbeere (Pleurobrachia pileus) (Stamm Ctenophora - Rippenquallen), deren charakteristische Wimpernkämme mit bloßem Auge geradeso erkennbar sind. Foto: Heiko Brunken.
Fischfauna
Ein wesentliches Exkursionsziel war die Fischfauna. Folgende Taxa konnnten nachgewiesen werden (eine genauere Artbestimmung erfolgt in Kürze im Labor):

- Grundeln (Gobiidae)
- Heringsfische (Clupeidae)
- Seenadeln (Syngnathidae)
- Westlicher Stichling (Gasterosteus aculeatus)
- Stint (Osmerus eperlanus)
- Plattfische (Pleuronectidae)
- Wolfsbarsch (Dicentrarchus labrax)

Von den Stinten wurde für evolutionsbiologische Untersuchungen genetisches Material entnommen. Die Proben werden von Natalia Kovpak vom Zhirmunsky Institute of Marine Biology in Vladivostok, Russland, durchgeführt.
geöffnete Kiefer eines Stintes
Der "Weiße Hai vom Jadebusen" - Stinte haben eine relativ große und deutlich bezahnte Kiefer. Foto: Heiko Brunken.
eine kleine Seenadel auf der hand
Eine Seenadel. Foto: Angela Verwold.
Und hier noch einige Stimmungsbilder ...

Noch sind die Wathosen trocken. Foto: Heiko Brunken.

Die Wasserkante liegt bei Niedrigwasser ganz hinten! Foto: Heiko Brunken.

Ufernah gibt es ganz viele Muschelbänke. Foto: Heiko Brunken.

Das wichtigste nicht vergessen- unser Netz! Foto: Heiko Brunken.

Die Hälfte des Weges ist fast geschafft! Foto: Heiko Brunken.

Ganz wesentlich ist die dem besonderen Tage angemessene Kopfbedeckung. Foto: Heiko Brunken.

... weil man im Wasser einfach besser gesehen wird! Foto: Martin Klem.

Das Netz wird ausgebracht. Foto: René Sonntag.

Die Kunst besteht darin, möglichst tief ins Wasser zu kommen, ohne von den Wellen (die man wie hier auf dem Bild vorher meist nicht sieht) kalt erwischt zu werden. Foto: Heiko Brunken.

Wer so etwas öfter macht, sollte sich eine wärmedämmende Neopren-Wathose zulegen! Foto: Heiko Brunken.

Das Ziehen des Netzes ist anstrengender als es aussieht. Kalt wird einem dabei nicht. Foto: Heiko Brunken.

Die letzten Meter. Foto: Heiko Brunken.

Im Fang sind Nordseegarnelen, Grundeln und sehr vereinzelt auch Strandkrabben. Foto: Heiko Brunken.

Draußen im Watt eine wunderschöne Stimmung. Foto: Martin Klem.

Keschern im Gegenlicht. Gibt es schöneres? Foto: Heiko Brunken.

Gegenlicht II. Foto: Heiko Brunken.

"Zieh´n wir nach links oder zieh´n wir nach rechts?" Foto: Heiko Brunken.

Auch kleine Netze fangen gut. Foto: Heiko Brunken.

Wohlverdiente Pause - der heiße Tee tut gut! Foto: Heiko Brunken.

Dank an den edlen Spender! Foto: Heiko Brunken.

Frischer geht´s nicht! Gekocht bekommen die Nordseegarnelen eine rote Farbe. An der friesischen Küste werden sie daher auch Granat genannt. Foto: Heiko Brunken.

Die richtige Technik ist schnell eingeübt. Foto: Heiko Brunken.

Zum Abschluss noch ein ausgedehnter Strandspaziergang gemäß dem bewährten Motto "Ein guter Biologe lässt nichts liegen!" ... und zu finden gab es reichlich. Foto: Heiko Brunken.

 

 

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