Schnell-Navigation:

Hochschule Bremen - University of Applied Sciences

Hochschule Bremen
Top-Themen


IPN - Bremer Institut für die Praxis der Naturwissenschaften

Anschrift
Bremer Institut für die Praxis der Naturwissenschaften
Hochschule Bremen
Neustadtswall 27
28199 Bremen

Ansprechpartner

Ansprechpartner
Name Telefon E-Mail
Klöck, Gerd, Prof. Dr. +49 421 5905 4266  senden
Achstetter, Tilman, Prof. Dr. +49 421 5905 4267  senden

Arbeitsschwerpunkte
Weiterentwicklung von Lehrkonzepten im Bereich der angewandten
Naturwissenschaften

Arbeitsschwerpunkte sind die Entwicklung von Lehrkonzepten zur gezielten Berufsqualifizierung von Bachelorabsolventen im Bereich der angewandten Naturwissenschaften sowie zur Weiterqualifikation berufstätiger Naturwissenschaftler (Life Long Learning).

Beispiel: Konzept der Virtuellen Firma TiGer BioTec

Im Rahmen eines Projekts für fortgeschrittene Studierende der Biotechnologie werden im Internationelen Studiengang für Technische und Angewandte Biologie der Hochschule Bremen (ISTAB) Theorie und Berufspraxis an einem Planspiel unter realistischen Bedingungen miteinander verknüpft.

Die Studierenden finden sich für die Dauer des siebten Semesters in einem Planspiel als Mitarbeiter der Forschungsabteilung einer Übungsfirma (TiGer-BioTec: Entwicklung und Herstellung von Enzympräparaten) wieder. Ziel des Planspiels ist es, der „Geschäftsleitung“ von TiGer zu einem bestimmten Termin aussagekräftige Informationen zu liefern, die der Firma eine unternehmerische Entscheidung über Produktentwicklungen ermöglichen.

Im konkreten Fall war es Aufgabe dieser FuE-Abteilung, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen (auch auf Basis von eigenen Laborversuchen), die die Entwicklung eines neuen Enzympräparats als Futtermittelzusatz evaluieren sollte. Das Team erhielt bei Projektbeginn nur den Namen des gewünschten Enzyms, es gab kein Skript und keine weitere Detailinformationen. Dafür hatten die Studierenden die Möglichkeit, die Bestände der Bremer Staats- und Universitätsbibliothek online zu recherchieren.

Das Projekt wurde von den Studierenden selbständig (jedoch in Rücksprache mit der „Geschäftsleitung“) in Arbeitspakete aufgeteilt:

- Literatur- und Patentrecherche, Marktübersicht,
- Konzeption des experimentellen Teils, aufgeteilt in eigenständige
Unterprojekte (mit Meilenstein-Plan und Kostenkalkulation),
- experimentelle Untersuchungen, Dokumentation in Form von Standard-Protokollen
(„SOPs“) und
- Präsentation des Abschlußberichts vor der „Geschäftsleitung“.

Im Rahmen des experimentellen Teils wurden mikrobielle Produktionsstämme gescreent und analysiert, die erforderlichen analytischen Testmethoden etabliert und so weit wie möglich validiert, sowie die notwendige Biomasse hergestellt und extrahiert. Weiterhin wurden Applikationsstudien im Sinne der gewünschten Anwendung durchgeführt.

Die Teilprojekte wurden von den Mitgliedern des Teams selbständig organisiert, wobei es in der Natur der Aufgabe lag, dass diese Teilprojekte voneinander inhaltlich abhängig waren. Diese Vorgehensweise machte Team-Arbeit unter Zeitdruck notwendig, wobei in komplexen Entscheidungssituationen mit einer gewissen fachlichen Unsicherheit rational umzugehen war.
Die Studierenden nahmen diese unerwartete Herausforderung mit Enthusiasmus an. Aufgrund ihrer Auslandserfahrung waren sie auch bereits in der Lage, sich schnell in dieses neue Gebiet einzuarbeiten. Die Gruppe ging dabei strukturiert und methodisch vor, der enge Kontakt mit der „Geschäftsführung“ war dabei von besonderer Bedeutung. In der Praxisphase erfuhren die Studierenden, wie Experimente selbständig geplant, durchgeführt (inklusiver der erforderlichen Kontrollen!) und ausgewertet werden. Hervor zu heben ist, dass es kein Teilprojekt gab, welches unabhängig von anderen Teilprojekten sinnvoll bearbeitet werden konnte, die Studierenden waren bei ihrer Arbeit immer auch von den experimentellen Resultaten ihrer Kommilitonen abhängig. So galt es z.B. einen Aktivitätstest zu entwickeln, der in standardisierter Form verbindlich für die gesamte Forschungsabteilung war (SOP).

Nach insgesamt 10 Wochen Projektarbeit hatte die „Forschungsabteilung“ tatsächlich die geforderte, aussagekräftige Machbarkeitststudie fertig gestellt, welche dann in einer besonderen Veranstaltung auch den Mitgliedern des Industriebeirats des Studiengangs, also „echten“ Firmenvertretern, zu deren vollster Zufriedenheit präsentiert wurde.

Problematisch war in der praktischen Phase des Projekts der hohe Betreuungs-aufwand, vor allem unter dem Aspekt der Laborsicherheit. Dies wurde pragmatisch dadurch gelöst, dass die Dozenten („Geschäftsleitung“) während des Projekts ihren Arbeitsplatz vollständig in die Laboratorien verlegten. Die intensive Betreuung durch Lehrkräfte mit ausgeprägter Praxis-Erfahrung ist Grundvoraussetzung für derartige Lehr-Veranstaltungen.

Das Projekt führte den Studierenden anschaulich vor Augen, wie theoretische Kenntnisse erfolgreich in planerische und experimentelle Tätigkeit umgesetzt werden können.

Das skizzierte Ausbildungsmodell stellt nach unserer Ansicht einen vielseitigen und realitätsnahen Ansatz dar, der im Themenfeld vielfältig variiert werden kann.
Zukünftig steht die Tiger BioTec „Produktion“ für entsprechende Projekte aus der Verfahrenstechnik offen, der Tiger BioTec „Vertrieb“ wäre für angehende Betriebswirte oder Marketingstudenten geeignet etc.


Achstetter - Klöck Biologen in der Industrie
Das Lehrbuch zum Thema
Biologen in der Industrie: Was erwartet sie?
Ein virtuelles Praktikum
Achstetter, Tilman, Klöck, Gerd
2009, Spektrum akademischer Verlag, Heidelberg,
ISBN: 978-3-8274-1877-7

 

 

Access Keys: