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Ringvorlesung 100 Jahre Soziale Frauenschule behandelt aktuelle Themen der Sozialen Arbeit

Am 21.05.2019 hielt Professor Dr. Heinz Lynen von Berg den bereits neunten Vortrag der laufenden Ringvorlesung „100 Jahre Soziale Frauenschule in Bremen“. Die von Prof. Dr. Corinna Grühn und Prof. Dr. Marianne Hirschberg initiierte und durchgeführte Ringvorlesung behandelt aktuelle Themen der Sozialen Arbeit. Heinz Lynen von Berg erörtere das Thema „Rechtspopulismus in der Postdemokratie“ indem er den „Kulturkampf“ zwischen moralischer Provokation von rechts und hilfloser moralischer Empörung von links miteinander verglich. Dazu arbeitete er anhand von Beispielen die Provokationen von rechtspopulistischen Akteuren wie der AfD heraus und analysierte die Reaktionen darauf.
Er zeigte, dass der Rechtspopulismus als Symptom und Folge struktureller Demokratie- und Repräsentationsdefizite zu betrachten ist und nicht als Ursache des zunehmenden Vertrauensverlustes großer Bevölkerungsteile in die repräsentative Demokratie schlechthin. An diesen strukturellen Ursachen sollten Politik und Zivilgesellschaft mit ihren Reaktionen auf den Rechtspopulismus ansetzen und sich nicht in einem moralisierenden und hilflosen Antipopulismus erschöpfen.

Heinz Lynen von Berg verwies in seiner Argumentation auf die Bedeutung der Meinungsfreiheit und Freiheit von Kunst und Wissenschaft (Artikel 5 GG) in der Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus. Auf der Grundlage einer in der Politikwissenschaft diskutierten demokratietheoretischen Begründung zeigte Herr Lynen von Berg, dass die verfassungsrechtlichen Prinzipien der Meinungsfreit auch in der Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus unabdingbar einzuhalten sind, was auch durch wegweisende Urteile des Bundesverfassungsgerichts belegt werde. Ausgehend von diesem verfassungsrechtlich konstitutiven Rahmen zeigte er, dass die Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus auch von normativen Grenzziehungen der politischen Kultur geprägt ist. Erst dadurch, dass (moralische) Provokationen von rechtspopulistischer Seite argumentativ zurückgewiesen werden, werden die Grenzen des „Nicht-mehr-Sagbaren“ konstituiert. Die Formen und Inhalte der Reaktionen auf den Rechtspopulismus sind deshalb (selbst-)kritisch auf ihre intendierten und nicht intendierten (Neben-)Folgen zu hinterfragen.
Er forderte die Anwesenden deshalb auf, sowohl die o.g. demokratietheoretischen Prinzipien als auch die praktischen Folgen der Interventionen bei der Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus zu bedenken. Weiter machte er deutlich, dass Soziale Arbeit und politische Bildung auf ihre fachlich begründete und demokratisch basierte Überzeugungskraft setzen sollten.

Die zahlreichen Zuhörer*innen brachten sich aktiv in die angeregte und fundierte Diskussion ein. Die Frage, wie auf den Rechtspopulismus, unter Einhaltung der Menschenrechte und der Prinzipien demokratischer Auseinandersetzung, wirkungsvoll reagiert werden könne, blieb eine offene Frage. Soziale Arbeit und politische Bildung sind deshalb immer wieder neu herausgefordert, sich diesem Spannungsverhältnis, mit innovativen und auf den jeweiligen praktischen Fall bezogenen Konzepten, zu stellen.

Die Ringvorlesung Soziale Arbeit wird im laufenden Sommersemester fortgesetzt. In den nächsten Terminen werden folgende Themen behandelt:
04.06.2019 - Evaluationsforschung in der Sozialen Arbeit: Herausforderungen aus methodischer Perspektive (Prof. Dr. Can Aybek)
18.06.2019 – Was hätte Agnes dazu gesagt? Spekulative Perspektiven von Agnes Heineken auf die gesellschaftliche und inhaltliche Entwicklung des Studiengangs Soziale Arbeit in Bremen (Prof. Dr. Sabine Wagenblass, Prof. Dr. Christopher Klug und Prof. Dr. Christian Spatscheck)
Ansprechpartner
Name Telefon E-Mail
Lynen von Berg, Heinz, Prof. Dr. +49 421 5905 3780  senden
Hirschberg, Marianne, Prof. Dr. +49 421 5905 2189  senden
Konrad, Milena +49 421 5905 3781  senden


veröffentlicht am 2019-05-27 08:08

 

 

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