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Wohnungsnot und Obdachlosigkeit: Befragung durch Studierende der Sozialen Arbeit

„Wohnungsnot ist ein wichtiges Thema, das in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird“ - „Politik wirkt intransparent und desinteressiert“ - „Es muss mehr bezahlbaren Wohnraum bzw. Sozialwohnungsbau geben“. Dies sind nur drei Aspekte eines umfänglichen Fazits, über das Studierende des dritten Semesters im Studiengang Soziale Arbeit nach Gesprächen mit Obdachlosen und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen über deren Lebensumstände auf einer Pressekonferenz Anfang März 2017 berichtet haben.

Insgesamt 110 ganz unterschiedlich lange, offene Gespräche haben 35 Studierende im Rahmen des Moduls Gemeinwesenarbeit im Wintersemester 2016/2017 mit Menschen geführt, die obdachlos sind oder fürchten, die Wohnung zu verlieren. Es ging den Studierenden bei ihrer Befragung ausdrücklich nicht um die Ermittlung statistischen Materials, sondern sie wollten dem Eindruck entgegentreten, dass diesem Personenkreis kein Gehör geschenkt werde. Geleitet wurde Modul vom Lehrbeauftragten Joachim Barloschky.

Die Offene Gespräche wurden geführt mit:
• Gästen des Papageiencafés,
• Nutzerinnen und Nutzern des Unterstandes am Straßenbahndepot Bremen Gröpelingen,
• Wohnungslosen in der Innenstadt,
• Verkäuferinnen und Verkäufern der Zeitung der Straße und
• Bewohnerinnen und Bewohnern der Schlichtwohnungssiedlungen Am Sacksdamm / Alte Landwehr, Reihersiedlung und in der Holsteiner Straße 165-205a.

Kernthema der Gespräche war Wohnungsnot, Wohnungslosigkeit und Wohnen. Die Menschen berichteten von ihren Sorgen, Ängsten und Hoffnungen sowie ihrer Lebenssituation. Die Studierenden trafen Menschen, die resigniert waren und kaum noch Perspektiven hatten, und solche, die Kämpfergeist zeigten. Die Gespräche belegten außerdem die Bedeutung des Wohnens: Es geht nicht nur
ums Wohnen selbst, sondern auch ums Leben und das Sich-Zuhause-Fühlen.

Angebote wie das Papageiencafé, der Unterstand oder die Möglichkeit die
Zeitung der Straße zu verkaufen werden gut angenommen, die Menschen fühlen sich dort gesehen und angenommen, allerdings gibt es zu wenig solcher Angebote und der Bedarf steigt. Einige der Menschen, mit denen gesprochen wurde, waren stolz auf sich und auf das, was sie bisher geschafft haben. Viele haben außerdem das Gefühl, dass sie abgestempelt werden. Einige fühlen sich sogar ihrer Menschenwürde beraubt und haben das Gefühl sich für ihre Situation rechtfertigen zu müssen. Außerdem fühlen sie sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt und sehen kaum Chancen und Möglichkeiten, von dort wieder wegzukommen.


veröffentlicht am 2017-03-02 13:00

 

 

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