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Hochschule Bremen - University of Applied Sciences

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Studierende der Hochschule Bremen auf Exkursion in Nordfrankreich

Deutsch-französisches Jugendwerk fördert den Austausch unter den Studierenden
Die Gruppe am Haupteingang der Uni in Béthune
Am Sonntag, dem 2. März 2014, morgens um 10 Uhr, war es wieder so weit: Eine Gruppe von 18 Studierenden der Abteilung Maschinenbau bricht in Begleitung von Prof. Dr. R. Schubert zu einem einwöchigen Besuch ins nordfranzösische Béthune auf. Die Université d'Artois in der ehemaligen Kohleregion südwestlich von Lille pflegt seit 22 Jahren einen regen Austausch von studentischem Besuch und Gegenbesuch mit der Hochschule Bremen. Für Studierende beider Hochschulen ist es oft der erste direkte Kontakt mit der Kultur des jeweils anderen Landes. Zentrales Thema der bevorstehenden Woche ist ein Lehrgang der Hochschule in Béthune zum Computer-Konstruktionsprogramm CATIA V5. CATIA steht für: „Computer Aided Three-Dimensional Interactive Application“ ist ein CAD-Programm der französischen Firma Dassault Systèmes, das ursprünglich für den Flugzeugbau entwickelt wurde und sich heute in verschiedenen Branchen etabliert hat.

Eine der Fahrgemeinschaften aus der Gruppe war bereits am Vortag aufgebrochen, um auf dem Hinweg Station in Belgiens Hauptstadt Brüssel zu machen - und die liegt ja beinahe auf dem Weg nach Béthune. Die besondere Atmosphäre der Alt-Brüsseler Handelshäuser am Marktplatz, das Atomium als Wahrzeichen der Weltausstellung 1958 und das internationale Flair der Zentrale der Europäischen Union wollten sie als Einstimmung in die Begegnung mit einer noch unbekannten Hochschulkultur einer kleinen Universität im Nord Pas de Calais nutzen.

Eine andere Fahrgemeinschaft nutzte auf dem direkten Weg am Sonntag die Mittagsrast, um die besondere Qualität echt belgischer Pommes Frites im Zentrum von Antwerpen zu testen, von der sie kurz zuvor in einer Fernsehreportage erfahren hatte. Die begeisterte Erzählung beim Eintreffen am Zielort zeugte davon, dass es sich geschmacklich wohl gelohnt hatte.

Nach dem Besuch zweier Weltstädte war es bei einem ersten Rundgang im abendlichen Béthune zunächst leicht ernüchternd festzustellen, dass am Sonntag viele Lokalitäten in einer Stadt von etwa 30 Tsd. Einwohnern geschlossen haben. Auf Vorschlag von Prof. Schubert konnte die Gruppe dann in einer benachbarten Kleinstadt einen gelungenen gemeinsamen Auftakt bei Flammkuchen oder Steak und selbstgebrautem Bier des Restaurants erleben.

Offizieller Auftakt des Besuches war am Montagmorgen die Begrüßung zum CATIA-Lehrgang. Gleich am ersten Tag folgten 6 Unterrichtseinheiten bis zum Nachmittag. Am Abend lud die Université d’Artois zu einem gemeinsamen Essen mit französischen Studierenden in die „Pataterie“ ein, einem urigen Lokal, wo sich alles irgendwie um die Kartoffel „dreht“. Schon nach kurzer Zeit war der Gesprächsfunke an einigen Stellen der langen Tafel übergesprungen, und man verabredete sich, den Abend später in einer Guiness-Bar fortzusetzen.

Nach weiteren Lehreinheiten des nächsten Vormittags in der Uni ging es nach dem Mittag auf zur Stadtbesichtigung der Metropole Lille (nur ca. je 2 Bahnstunden entfernt von Paris, London, Brüssel und Köln). Die Mischung der Tradition des alten Flandern mit dem Stil der königlichen, französischen Lilie ist auch heute noch unverwechselbar. Die Stadt wurde einst auf einer Flussinsel gegründet (l’ile: Insel), heißt in Flandern aber immer noch Rijsel. Höhepunkt der Führung durch den betreuenden Dozenten aus Béthune, Herrn Geiss, war die Besichtigung der Kathedrale, in der sich neugotischer Kirchenstil aus der Zeit um 1850 beeindruckend mit einer hochmodernen Glas-Alabaster-Giebelfront mit klarer, nüchterner Linienführung verbindet.

Die Kultur sollte wirklich nicht zu kurz kommen, denn schon am nächsten Spätnachmittag besichtigte die Gruppe nach Ende der Lehreinheiten den historischen Kern der alten französischen Hafenstadt Boulogne sur Mer südlich von Calais. Besonders beeindruckend war hier die Lage dieser Altstadt auf dem (durch eine Stadtmauer verdeckten) Felsen hoch über dem Hafen. Von hier aus sind die Römer und später französische Eroberer nach England übergesetzt, lange, bevor es einen Hafen Calais gab.

Nördlich von Boulogne konnte die Gruppe im Licht der untergehenden Sonne Reste alter deutscher Bunkeranlagen in der Steilküste kletternd „erobern“: Bunkerruinen im Steilhang, sinkende Abendsonne knapp über dem Horizont vor England - in abendlicher Stille, nur ab und zu unterbrochen von Möwengeschrei – das sind bleibende Eindrücke, die sich von denen an der deutschen Nordseeküste unterscheiden.

Eine Weiterfahrt zum nächsten französischen Badeort Wimereux endete nach einem Strandspaziergang in der Erkenntnis, dass Anfang März dort niemand auf ein Abendessen von 20 nicht angemeldeten Teilnehmern eingerichtet ist. Steakrestaurants am Stadtrand von Boulogne konnten diese Lücke im Ausflug ans Meer schließen.

Am Donnerstag schließlich stand nach vormittäglicher Arbeit am PC nachmittags die Besichtigung der Firma Française de Mécanique in Douvrain an. In dieser stark automatisierten Fabrik produzieren ca. 2500 Menschen täglich ca. 5500 PKW-Motoren für PSA-Peugeot-Citroen, Renault und in Kleinserien auch für deutsche Automobilhersteller. Ausgehend vom angelieferten, gegossenen Motorblock wird der komplette Motor inklusive eines abschließenden Testlaufes hier gefertigt und montiert, wie der französische Firmenführer der Gruppe zeigte. Herr Geiss aus Béthune hat es sehr anschaulich ins Deutsche übersetzt. Von großem Glück für die Teilnehmer war, dass einer der deutschen Teilnehmer über viele Detailkenntnisse zum Aufbau der Motoren aus seiner vorstudentischen Berufsausbildung verfügte. Seine ergänzenden Erläuterungen machten die Besichtigung des Zusammenbaus der Motoren zu einem beeindruckenden Erlebnis und ließen die Leistung der Fabrik in der Automatisierung der Fertigungsprozesse noch deutlicher werden.

Für den Abend war eine Verabredung mit französischen Studierenden in Béthune geplant. Der eigentliche Abschluss des letzten Abends fand jedoch später im Hotel auf dem Flur des Flügels statt, in dem alle Teilnehmer ihre Zimmer hatten. Beim letzten Bier aus dem Vorrat ließen sich im Schneidersitz auf dem Boden prächtig die Erlebnisse der Woche resümieren - das Hotel hatte leider keinen Aufenthaltsraum zur Verfügung.

Nach dem nun schon gewohnten Baguette- und Croissant-Frühstück mit echtem Bol de Café in der Cafeteria der Mensa begannen am nächsten Morgen die letzten Lehrgangsstunden. Zur Mittagszeit wurden allen Teilnehmern mit einem Glückwunsch die Zertifikate zum Kursus überreicht, ein gemeinsames Resümé zu einer erfolgreichen Woche gezogen und allen Organisatoren ein Dank für ihre Arbeit ausgesprochen.

Besonders zu erwähnen ist hierbei die finanzielle Unterstützung durch das Deutsch-Französische Jugendwerk, das dadurch einen solchen Austausch überhaupt ermöglicht und die Kosten für alle in zumutbarem Rahmen hält. Hier sei dafür ein besonderer Dank ausgesprochen.

Die Reise endete für die meisten Fahrgemeinschaften am späteren Freitagabend im heimischen Bremen. Eine Teilgruppe jedoch nutzte den Rückweg noch zu einem Wochenendabstecher nach Amsterdam. Auch diese Studierenden waren zu Semesterbeginn am Montag müde, aber wohlbehalten zurück und berichteten von einer insgesamt erlebnisreichen, interessanten Exkursion.


Timo Schröder und Rüdiger Schubert, Abteilung Maschinenbau der Fakultät 5


veröffentlicht am 2014-07-14 14:04

 

 

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